Das unerwartete Treffen mit Christian, dem Sohn des zweifachen Magnolienmörders, alias Karl Seidel.
Elimar A. Simon
Oberhausen, Februar 2007
Band 1 – Textteil
Irgendwann um 1998 wurde ich durch einen Bericht in einer französischen Radsportzeitschrift auf eine Radreise nach Santiago de Compostela aufmerksam gemacht. Der Gedanke reifte, es wurden Strassenkarten, Reiseführer, Radreiseführer gekauft. Insbesondere im Internet wurde intensiv recherchiert. Mögliche Reisepartner wurden angesprochen, diese hatten aus unterschiedlichen Gründen nicht den richtigen Antrieb, sodass die Entscheidung fiel: alleine zu radeln.
Der Hintergrund der Reise ist nicht hauptsächlich religiös geprägt. Aber irgendwann MUSSTE ich nach Santiago de Compostela.
Ich beschloss im Herbst 2005 zu starten. Die Gründe waren: die Haupturlaubszeit ist vorbei und die Temperaturen sind moderater, so meine Hoffnung.
Ein stabiles Reiserad und die entsprechende Reiseer-fahrung waren vorhanden, so dass es bis auf ein paar Kleinigkeiten, die nicht erwähnenswert sind, nichts zu organisieren gab.
Den Pilgerausweis bestellte ich bei der „Fränkische St. Jakobus-Gesellschaft Würzburg e. V.“ per E-Mail. Klappte vorzüglich.
Der Startpunkt Tours hat den Vorteil, dass man einige Etappen hinter sich hat, bis man in den Pyrenäen ist. Obwohl ich regelmässig radle, macht man nicht häufig längere Etappen, zudem mit Gepäck.
Ausserdem und insbesondere ist Tours der Ausgangspunkt des Via Turonesis.
Kunsthistoriker bin ich nicht. Bitte, die entsprechenden Bücher konsultieren.
Es soll kein Radreiseführer sein, sondern es sind einfach meine Gedanken, sofern ich sie aufgeschrieben oder foto-grafiert habe.
Es sind meine AUFZEICHNUNGEN. Sie werden so wieder gegeben, wie sie notiert wurden. Es wurden nur Zusätze gemacht, die auf Fotos beruhen, die mit der Absicht: „Notizbuchfunktion“ gemacht wurden.
Eine anschliessende „redaktionelle“ Überarbeitung oder Verschönerung hat nicht stattgefunden. Wiederholungen wurden aus nicht gestrichen. Die Reihenfolge der Eintragungen ist daher sprunghaft. Sie wurde nicht geändert.
Ich hoffe so die Lebendigkeit zu erhalten, in dem ich alles so wiedergebe, wie ich es im Moment empfunden habe.
Meine ursprüngliche Planung, möglichst viel zu besichtigen, hat sich mangels Zeit und insbesondere Auf-nahmebereitschaft nicht realisieren lassen.
Der alte Spruch: „Die Strasse ruft“ hat seine Berechtigung.
Diesen Zielkonflikt kann man nur durch eine zweite Reise, per Pkw und mit Partner auflösen.
Wenn man einen Pass hinter sich hat, hat man keine grosse Lust mehr auf die nächsten Kirchenbesichtigungen. So ist es, soweit ich dies beurteilen konnte, vielen Radpilgern gegangen. Abgesehen davon gibt es auf dieser Strecke derart viele Monumente, Kirchen, Denkmäler, etc.. etc.. das man ein wenig „abstumpft“.
Bei den Fusspilgern, war dies etwas anders, allerdings sind diese besser dran. Wegen der Temperaturen wird praktisch nur am Vormittag gewandert. Die meisten Fusspilger waren gegen Mittag in den Herbergen. Der ganze Nachmittag steht ihnen für Besichtigungen zur Verfügung.
Wenn immer möglich, habe ich in Klöstern übernachtet, auch wenn dadurch die Tagesetappen kurz wurden.
Schwer in wenigen Worten zu beschreiben, aber die Übernachtungen in den Klöstern waren von besonderer Intensität, Ruhe, Gelassenheit.
Das Essen (eine Flasche Wein gab es immer) war stets gut.
Wer mich kennt, weis, dass dies für mich ein wesentlicher Faktor ist.
Donnerstag, 01. September 2005
Oberhausen – Tours
Hôtel Val de Loire, Bd. Heurteloup
1. Tag
Ab Oberhausen um 7.27 Uhr von Gleis 7 ging es per IC über Luxemburg nach Paris, Gare de l´Est.
Sonne, Blick auf den Rhein verkürzten die Reise. Die Mosel steigerte das Reiseerlebnis: Morgennebel, Sonne und viele Flussbiegungen zwangen den Blick von der Morgenzeitung nach Draussen. Von Koblenz aus bummelte der IC, sodass man wirklich viel sehen konnte.
Wasserbillig war der 1. Bahnhof in Luxemburg, andere, nicht so militärisch anmutende Uniformen und ein anderer Baustil verdeutlichten den Grenzübertritt.
Umsteigen in Luxemburg, dort gab der Fahrradständer nach, sodass er abgeschraubt werden musste. Die erste Gewichtsersparnis. Zum Umsteigen war ausreichend Zeit.
Die Fahrt vom Gare de l´Est zum Gare d´Austerlitz ging erheblich leichter als angenommen (per Rad über die Strasse, nicht per Metro), sodass früher als geplant, gegen 20.00 Uhr, der Zug nach Tour erreicht wurde. Entgegen meinen Befürchtungen war das Radfahren in Paris reibungslos. Busspuren, für Räder zugelassen, und viele Radwege!!! erleichterten das Fortkommen.
In Paris hat die nagelneue Halterung für die 1,5 l Wasserflasche ihren Geist aufgegeben. So musste das Werkzeug zum 2. Mal ausgepackt werden.
In Tours Übernachtung in einem einfachen, sauberen Hotel gegenüber dem Bahnhof. Fahrrad stand sicher und trocken im Hotelgarten des Hotels Val de Loire.
Am Abend Gang zum Bahnhof, Zeitung gekauft und einen Snack gegessen.
Da ich schon häufiger in Tour war, bestand kein Verlangen nach einer Stadtbesichtigung.
Freitag, 02. September 2005
Tours – Châtellerault 86 km
Hotel Campanile
2. Tag
(Tours, Montbazon, Saint-Catherine-de-Fiersbois, Sainte-Maure-de-Touraine, Dange-Saint-Romain, Châtellerault)
Wie immer habe ich mich in Tours verfahren, aber endlich hatte ich die D 86 gefunden, breite Radwege, wie übrigens auch teilweise in der Stadt Tours. Anschliessend ging es leicht hügelig bis nach St. Epain, wo eine Rast eingelegt wurde.
Morgens ging es um 09.00 Uhr bei 21 Grad los. Am Nachmittag stieg die Temperatur bis auf 33 Grad. Immer rauf und runter, nie steil, aber immer.
Magnesium, Vitamintabletten täglich. 3 Pfirsiche, eine Traube und die letzten Frikadellen aus Oberhausen mussten mittags dran glauben. Gut bewährt sich der Camelbak Trinkrucksack, wirklich ideal. Ohne diesen wäre der heutige Tag schwieriger geworden.
In Châtellerault im Hotel Campanile kostenlose Unterkunft gefunden (Pilgerpass). Toll, Zimmer im Erdgeschoss. Es war trocken, das Rad steht im Zimmer, besser geht es nicht. Bei der Reservierung hatte man darum gebeten, nach Möglichkeit, das Abendessen im Hotel einzunehmen. Diese Bitte wurde gerne und prompt erfüllt. In der näheren Umgebung war nichts und ausserdem bin ich tot.
In Châtellerault festgestellt, dass ich nur eine Radhose eingepackt hatte. Go Sport war gegenüber. Hose, Halterung für Trinkflasche und Trinkflasche gekauft. Im Laden sofort einen Energiedrink getrunken. Später noch 1 Liter Bier. Ich war ausgetrocknet.
Beim Abendessen sass Klaus, Sportstudent an der Sporthochschule in Köln, hinter mir. Er ist in Köln gestartet und will auch mit dem Rad nach Santiago. Er ist Extremist, entweder will er auf dem Camino oder auf Nationalstrassen fahren. Für die Nationalstrassen kann ich mich nicht so begeistern, wegen des Verkehrs. Die kleineren Strassen (D + C Kategorie) sind schöner und kaum befahren, dafür aber vom Höhenprofil häufig unangenehmer.
Übrigens gutes Hotelfrühstück.
Samstag, 03. September 2005
Châtellerault – Poitiers – 48 km
A.J. Poitiers (Jugendherberge) (04)
3. Tag
(Châtellerault, Vieux Poitiers, Traversay, Dissay, Saint-Georges-lès-Baillargeaux, Potiers)
Der morgendliche Wetterbericht sagte 31 Grad an. Um 16.00 Uhr waren es fast 38 Grad. Eine andere Radlerin hatte 40 Grad auf ihrer Anzeige. Sonne, Sonne, Sonne, kein Baum, kein Strauch.
Das Rad war bei manchen Geschwindigkeiten in der Lenkung unruhig. Zwei Parkbänke belegt, aussortiert, Sachen per Paket nach Deutschland geschickt. Rad liegt deutlich besser, aber immer noch nicht neutral. Vor den Pyrenäen muss ich wohl noch mal dran.
Um 11.00 Uhr war alles erledigt, ab in die Mittagshitze. Poitiers war der logischste Halt, da es später mit günstigen Möglichkeiten schwieriger wird.
Die Fahrt war ausgesprochen schön, wenig besiedelt. Viele kleine Weinberge, Gemüse, Obst. Die Strecke führte in der Nähe des Flusses Clain entlang. Manches Mal gab es traumhafte Flussmotive zu bewundern. In Dissay Mittags-rast gemacht. Wasserschloss aus dem 15. Jahrhundert mit vielen, vielen Türmchen. Selten ein so altes und so kitschiges Schloss gesehen. Hätte in Hollywood stehen können. Nach der Rast ging es weiter nach Poitiers.
Bei der Ankunft in Poitiers an einer Tankstelle gehalten und 1 ½ Liter Ice Tea in einem Rutsch getrunken.
Die Jugendherberge macht erst um 18.00 Uhr auf. Die Wartezeit überbrücke ich mit dem Schreiben des Tage-buches und Einkäufen.
Zimmer mit Blick auf einen grossen Garten. Die Über-nachtung mit Frühstück kostet € 12,80. Die Flasche Sauvignon € 5, --. Bis um 22.00 Uhr war ich alleine auf dem Zimmer, konnte in Ruhe zeitunglesend zu Abend essen. Gegen 06.00 Uhr morgens kam ein dritter Mitschläfer.
Sonntag, 04. September 2005
Poitiers – Brioux-sur-Boutonne 96 km
Chambre d´Hôtes M. Mignet (04)
4. Tag
(Poitiers, Crouteil, Columbiers, Lusignan, Saint-Sauvant, Chenay, Chey, la Barre, Melle, Brioux-sur-Bouronne, Brioux-sur-Boutonne)
Frühstück im Garten der Jugendherberge. Radlerin vom Bodensee getroffen, sportlich, sportlich. Sie ist vom Bodensee an den Atlantik in die Nähe von Bordeaux ge-fahren und war auf dem Weg nach Paris. Von Paris will Sie den Zug nehmen.
Morgens ging es bei Sonnenschein und 33 Grad um 09.00 Uhr los. Um 17.00 Uhr waren es immer noch 26 Grad. Himmel bewölkt, viel Wind, wie immer aus der falschen Richtung.
Anstatt der Cellulitis-Crems sollte man der Damenwelt 100 km Radfahren pro Woche verordnen, gesünder, wirkungsvoller, hilft gegen das eine oder andere überflüssige Pfund.
Im letzten Jahr war die Radlerin mit dem Rad in Santiago de Compostela und am Cabo Finisterre. Wir unterhielten uns unter anderem über die Ausrüstung, sie fährt wirklich nur mit minimalem Gepäck. Ob ich will oder nicht, ich muss weiter reduzieren, das Rad ist solide und schwer, die Gepäcktaschen sind aber noch zu schwer, noch ein Paket nach Deutschland?
Bei der Ausfahrt aus Poitiers habe ich die N 10 mit der N 11 verwechselt. Umweg von einigen km, der glücklicherweise durch eine menschenleere, schöne Landschaft führte. Die grosse Dürre ist überall sichtbar. Alles, aber wirklich alles ist vertrocknet.
Gegen Mittag Rast auf einem Bauernhof. Hier wurde ein Bauernmarkt abgehalten. Biobrot, auf Kohlblättern ge-backene, gefüllte Käsepfannekuchen, Chèvre, Wein, Obst, Apfelsaft, Fleisch, Aufschnitt. Ein grosser Grill war aufgebaut, das gekaufte Fleisch sofort gegrillt und an langen Tischen verputzt. Angenehme, lockere Atmosphäre. Ich hatte, wie immer grossen Durst, habe 2 Liter frisch gepressten Apfelsaft getrunken, köstlich, aber nach-wirkend....
Mittags hatte ich das Abendquartier in Brioux-sur-Boutonne reserviert. Ich habe ein sauberes Zimmer mit Dusche WC. Das Rad steht auf der überdachten Veranda von bestimmt 100 m2.
Mme. Mignet Claude, 25, Av. de la Gare, Tel. 05 49 07 54 32. Das Ehepaar macht B&B. Es lohnt sich, in dieser wenig touristischen Gegend, für Sie kaum. Der August war gut, der Juli schlecht. Riesiges Grundstück, eigener Wein, eigenes Obst, eigenes Geflügel.
Die Wirtsleute lagen am Abend auf Liegestühlen im Garten und hatten den Fernseher an die Tür gerollt, keine dumme Idee.
Fernseher gibt es nur für die Wirtsleute, dafür unterhält mich mein apfelsaftmusikalischer Magen.
In Melle hatte ich einen Croque Monsieur gegessen, habe nur noch ein Stück Brot, aber mit Käse und Schinken belegt, wird es reichen.
Eigentlich wollte ich mir Melle ansehen, allerdings sind diese Schluchtenstädte am Nachmittag nichts für meine Kondition. Als ich diese Steigungen sah, habe ich dankend verzichtet.
Am Nachmittag auf der D 950 gefahren, einer wichtigen Strasse, obwohl „D“ in rot auf den Michelinkarten, wie sonst die Nationalstrasse, eingedruckt.
Die Autofahrer waren bislang rücksichtsvoll und zuvorkommend. Man spürt deutlich die Liebe der Franzosen, auch wenn Sie selbst vielleicht nicht so viel radfahren, „pour la petite Reine“.
Die Nacht stand das Rad mit dem Schutzblech gegen irgendetwas. Das Hinterrad dreht schlecht. Bis ich den Fehler behoben hatte, bin ich wenigstens 10 x abgestiegen, Bremsen, Radaufhängung überprüft. Es war nur ein etwas verbogenes Schutzblech. Einige wütende Faustschläge haben das Problem endgültig (?) gelöst.
Ein plötzlicher, starker Wetterumschwung macht mir Sorgen. Hoffentlich regnet es nicht und der Wind nimmt ab. Teilweise war der Wind so stark, das ich kaum bergab kam.
Lese Saint–Exupéry: „Dem Leben einen Sinn geben“, passt zur Reise.
Beine sind gut, nur in Châtellerault hatte ich bislang abends Krämpfe, Magnesium genommen.
Montag, 05. September 2005
Brioux-sur-Boutonne – Pons, 96 km
Camping Municipal (06)
5. Tag
(Brioux-sur-Boutonne, la Villedieu, Aulnay, Grand-Virollet, les Eglises d´Argenteuil, Saint-Jean d´Angely, Saintes, Pons)
Himmel grau, grau, grau, Wolken behangen. Wäsche ist nicht trocken geworden, muss aussen auf den Packtaschen befestigt werden. Von der Temperatur mein Wetter: 17 Grad.
Frühstück auf der Terrasse, selbstgemachte Marmelade, gutes Brot und Croissants.
Paket aufgegeben, während dessen heftiger Regen. Als ich auf der Post fertig war, hatte es zum Glück aufgehört zu regnen. Heute läuft es besser. Maximale Temperatur 27 Grad. Im Laufe des Tages immer wieder kurze, zum Glück warme Schauer, es lohnte nicht das Regenzeug zu mobilisieren.
In Saintes wurde ich vom Regen überrascht, nachdem ich zwei Kirchen und das Kloster von innen / aussen besichtigt hatte, konnte ich trocken weiter fahren. Zum Teil heftige Steigungen, bis auf eine habe ich alle geschafft, sie mich allerdings auch.
Kostenlose Übernachtung auf dem städtischen Campingplatz in Pons in einem alten, durchlöcherten Militärzelt auf einem Armee Klappbett. Zusammen mit der Luftmatratze ging es. Zum Glück hat es in der Nacht nicht geregnet, sonst wäre es nass geworden. Eine Schande: eine so schlechte Unterkunft anzubieten, besser nichts, es war die schlechteste Unterkunft auf der ganzen Reise.
Saubere Sanitärräume. Morgens ständige Lautsprecherdurchsagen (die ich zuerst nicht einsortieren konnte): Schulbeginn in der Schule nebenan.
Am Mittag in Saint-Jean d´Angely Fahrradhändler gesucht, blöd von mir: Montag. Sigma Tachometer läuft nicht mehr.
War vorher in Oberhausen in einem Radsportgeschäft und hatte vorsichtshalber alle Batterien gegen neue aus-tauschen lassen. TCM dagegen läuft gut.
Teilweise viel Wind.
Dienstag, 06. September 2005
Pons – Saint-Martin-Lacaussade, 70 km
Centre Culturel Européen du Pays Blayais, Pilgerherberge (06)
6. Tag
(Pons, Mirambeau, Saint-Aubin-de-Blaye, Saint-Martin-Lacaussade)
Wieder Fahrradhändler gesucht, einer hatte zu, der andere konnte mir nicht weiterhelfen, immer noch teilweise starke Vibrationen im Lenker, irritierend.
Bedeckter Himmel, teilweise viel Gegenwind. Nur 11 – 12 km auf dem Tacho. Deprimierend. Baustellenbedingt hatte ich die Nationalstrasse für mich alleine. Wäre es nicht so ekelig windig gewesen, ein Vergnügen. Brauche nach all den Butterbroten etwas Vernünftiges zu essen.
Sitze seit 10 Minuten im Restaurant in Mirambeau, „Le Cheval Gris“, einziger Gast. Personal in Fülle, nur keiner bewegt sich in meine Richtung. Ansonsten schön im Park, esse für € 13 drei Gänge mit Wein. Beine sind nicht so gut wie gestern.
Sonne kommt wieder stärker heraus. Aber auch grosse Regen(?)wolken. Wolken werden grösser, Wind kommt auf. Regen? Wind selbst im geschützten Park des Restaurants zu spüren. Das Essen war gut und mit Kaffee zu € 13 inkl. ¼ Wein wirklich Ok für Pilger in Frankreich.
Übernachtung in einer Pilgerherberge, 05 57 42 06. Französisches Ehepaar getroffen. Es ist zu Fuss von Nantes aus unterwegs. Ebenfalls ein deutsches Ehepaar getroffen. Es ist seit 4 Monaten von Magdeburg aus per Pedes unterwegs.
Friedliche Abendstimmung, 50 m weiter sind die Weinberge. Die Herberge liegt direkt an einer alten Turmruine. Himmel bedeckt, kein gutes Zeichen. Das Rad steht über Nacht sicher im Vorraum der kleinen Herberge.
In der Nähe der Herberge in einem kleinen Laden eingekauft, TEUER! Für ein paar Kleinigkeiten € 18, --. Die Herberge ist klein, 1 Zimmer mit zwei Doppelstockbetten, Kochecke, Bad, WC, sauber, gute warme Dusche.
Hatte mir wohl gestern etwas zuviel vorgenommen. Am Nachmittag waren die Beine platt. Wind, Wind, 10 – 11 km auf dem Tacho.
Mit Franco und Sylvie aus Magdeburg, die ich unterwegs schon überholt hatte, sowie den beiden Franzosen, habe ich heute die ersten Mitpilger getroffen.
Beim Abendessen haben wir alles zusammen getan und es wurde erzählt. Die beiden Magdeburger hatten wirklich viel zu berichten. 3 x grossartige Einladungen auf Schlössern, und, und, und. Das Ehepaar aus Nantes, ebenfalls zu Fuss unterwegs, staunte und staunte. Hatte den Eindruck, sie waren neidisch.
Nachts Krämpfe im rechten Bein, obwohl ich am Abend schon zusätzlich Magnesium genommen hatte.
Mittwoch, 07. September 2005
Saint-Martin-Lacaussade – Le Barp, 80 km
Kirchengemeinde St-Jacques (06+07)
7. Tag
(Saint-Martin-Lacaussade, Blaye, Le Barp, Lamarque, Castelnau-de-Medoc, St. Helene, Saumos, Blagon, Marcheprime, Le Barp )
Morgens 19 Grad, bedeckter Himmel, nachmittags 20 Grad Sonne mit einzelnen Wolken.
Der Nachmittag wurde noch stark sonnig. Nachdem es am Morgen eher nach Regen aussah, hatte ich mich nicht eingecremt, was ich nun bedauere. Radhemd mit den langen Ärmeln angezogen, die Arme brannten.
Zusammen mit den Magdeburgern gefrühstückt, kurz nach 09.00 Uhr ging es nach Blaye. Von dort mit der Fähre über die Gironde nach Lamarque. Erstaunlich wie breit und strömungsreich die Gironde ist. Man hat nicht den Eindruck auf einem Fluss zu sein, eher auf dem Meer. In Lamarque von den sympathischen Magdeburgern verabschiedet.
Die Weingüter: Chateau Margaux und so weiter folgen eines nach dem anderen. Schlösser, Domains, Wein, wenig Wald, man kann das Geld riechen, wenig Schatten.
Die Landschaft wechselt. Fahre durch ein Poldergebiet, erinnert stark an Holland. Viele Entwässerungskanäle, Schleusen, Vieh hinter den Kanälen, der Wasserstand der Kanäle wird durch Ebbe und Flut beeinflusst, Brackwasser? Wenig Bäume, weite, weite Landschaft.
Esse alle 10 km Trockenobst und trinke mehr als sonst. Ab Mittag fühle ich mich deutlich besser, als an den anderen Tagen. Morgens war ich etwas mau, Durchfall. Zu wenig geschlafen?
Telefonisch Unterkunft in Le Barp reserviert. Kann es nun locker angehen lassen. Es beruhigt, wenn man weis, wo man schlafen wird. Hoffentlich treffe ich wieder auf eine so nette Gesellschaft wie gestern Abend.
Letzte ½ Stunde unangenehmer Gegenwind.
Wurde von einem Diakon aus Afrika begrüsst. Bei jeder, auch nur der kleinsten, Gelegenheit brach er in dieses ansteckende afrikanische Lachen aus. Wir hatten eine lustige und angenehme Unterhaltung. Erinnerte mich an Ahmadu. Später stellte er mir seine Frau vor. Sympathische, stämmige Französin.
Übernachte im Schlafzimmer des verstorbenen Priesters, habe als Aufenthaltsraum die ganze Gemeindeverwaltung für mich, grosse Gärten, alles etwas ungepflegt.
Nachdem das Gas für die „warme“ Dusche funktionierte, hat mir der Diakon die schöne Kirche gezeigt, ein Teil ist aus dem 12. Jahrhundert, der Altarteil ist neueren Datums. Es war eine Pilgerkirche auf dem Weg nach Santiago de Compostela, man kann noch den alten Eingang für die Pilger sehen. Helle, lichte Kirche, schlichte Einrichtung.
Le Barp war im Mittelalter ein Umschlagsplatz für maurische Sklaven. Im älteren Teil der Kirche kann man Verzierungen maurischen Ursprungs sehen. Der Diakon war stolz darauf, dass die gesamte Kirche von Hand-werkern aus Le Barp errichtet wurde. Die Familie des damaligen Schreiners betreibt bis heute eine Schreiner-werkstatt im Ort! Auch die Fenster stammen von Künstlern aus Le Barp.
Obst und Lebensmittel eingekauft, eine ordentliche Portion Spagettisauce gekocht. Die Obstverkäuferin, bei der ich mein bezahltes Obst gelassen hatte, war schon auf der Suche nach mir; ich war noch im Supermarkt. Ich sei doch sicher Pilger, sie hatte schon Angst, dass ich das bezahlte Obst vergessen habe.
Die Spagetti werde ich auch morgen zu Mittag essen. Die Spagetti der Magdeburger sind mir gut bekommen, also öfter.
Abendessen in einem Raum mit offenen Türen zum Garten. Zwar alleine aber stimmungsvoll und sympathisch. Muss mehr trinken, aber warmes Wasser schmeckt wirklich nicht.
Die Gemeinde hat Pläne die Beherbergungsmöglichkeiten zu verbessern, Platz wäre da.
Mit der Gesellschaft war nichts, bin alleine in der Gemeindeverwaltung, die an die Kirche angebaut ist. Habe Vorder- und Hintergarten für mich, abgeschlossener Raum für das Fahrrad.
Schlafe in der Wohnung des verstorbenen Pfarrers. Ein Räumchen von max. 13 m2 mit leider nicht funktionierender Dusche, Waschbecken, beides durch eine Holzwand vom Bett getrennt. Toilette am anderen Ende des Gebäudes. Bescheiden. Gutes Bett. Kein deutscher Priester würde so wohnen.
Darf man in einer Gemeindeverwaltung, im Schlafzimmer des verstorbenen Pfarrers, eine störende Fliege tot-schlagen? Sie nervt mich.
Morgens beim Wachwerden sehe ich aus meiner liegenden Perspektive einen grossen Pappkarton und ich kann Mar... lesen. Deckel gelüftet. 1 Magnum Chateau Margaux, schon etliche Jahre alt und die grossen Blechdosen Fois Gras, die guten 2 kg Dosen, ohne die Papieretiketten, so wie sie auf dem Bauernhof für den Eigenbedarf konserviert werden.
Sitze beim Frühstück, die Tür knallt auf, Auftritt: „Frau Ernemann“.
Hat man Ihnen nicht gesagt, dass ich komme, werde ich „angeschrieen“. Nein, natürlich nicht.
Es war die Putzfrau, die nach mehrwöchigem Urlaub wieder erschien. Eine fröhliche Schimpfkanonade ohne Ende und in allen Vokabularien der französischen Sprache. Ziel war der Diakon, der so sympathisch wie unordentlich war. Ich hatte schon viele gebrauchte Kaffeebecher ent-sorgt.
Bevor ich abfuhr, habe ich mir den Karton geschnappt, ihr auf den Tisch gestellt und empfohlen einen besseren Platz für diesen wertvollen Karton zu finden.
Le Barp, der lustige, menschliche Diakon und „Frau Ernemann“ waren die Reise wert.
Donnerstag, 08. September 2005
Le Barp – Labouheyre, 59 km
L´Abri du Pelgerin, Private Pilgerherberge (07)
8. Tag
(Le Barp, Belin-Belit, Mons, le Muret, Labouheyre)
Endlich Berthoud erreicht, das Problem konnte ganz einfach gelöst werden: mehr Gewicht auf die Low-Rider. Der wackelige Ortliebsack wurde mit einigen Sachen nach Deutschland geschickt. Seitdem liegt das Rad wieder so neutral auf der Strasse, wie ich es von anderen Reisen her kenne. Hatte zuviel Gewicht hinten und nicht vorne, wo es hingehört.
In Mons und Le Muret wurden zwei Kirchen besichtigt. In Le Muret vor der Kirche zu Mittag gegessen. Beine sind gut. Die strikten 10 km / Pausen / Erdnüsse und viel, viel Wasser helfen. Man muss den Verschluss von den Trink-flaschen abschrauben, nur so bekommt man genug Flüssigkeit!!! Der Camelbak hilft, reicht aber nicht aus, man muss zusätzlich viel mehr trinken.
Um 15.00 Uhr in Labouheyre angekommen. Ich wollte bis nach Onesse, habe aber da kein Quartier gefunden. In Labouheyre bei einem sympathischen Ehepaar eine saubere Unterkunft gefunden. Private Herberge, gut ausgestattet. Terrasse, Garten, Katze.
Einkaufen gewesen, kräftiger Regenguss während des Einkaufens, musste mich auf dem Rückweg ein wenig unterstellen, kam fast trocken „nach Hause“. Der Regenguss kam gerade richtig, um in Ruhe und ohne Reue ein paar Biere zu trinken. Erstaunlich was man für einen Durst hat, nachdem man ca. 6 Stunden bei diesen hohen Temperaturen unterwegs war.
Sauce für Spagetti gekocht, Wäsche gewaschen. Jean aus Erquy war mit in der Herberge – wir waren nur zu zweit. Um 19.00 Uhr luden die Wirtsleute ein. Es gab Sangria und diese Snackbeilagen, die die Franzosen zum Aperitif so lieben. Meine Dauerwurst kam allerdings, auch bei den Wirtsleuten, deutlich besser an. Anschliessend wurden unsere Pilgerpässe feierlich gestempelt.
Die Herbergsfamilie ist ausgesprochen höflich, Tochter und Sohn sind auffallend gut erzogen, französisch höflich. Macht Freude so wohlerzogene junge Menschen zu treffen.
Küche perfekt eingerichtet, bis auf ein Schneidebrett, das wir zum Wurstschneiden natürlich prompt vermissten.
Die Hausfrau schreibt Kochbücher, damit hatte Sie natürlich bei mir einen riesigen Stein im Brett, sie hatte sich das Brett aus dem „Pilgerhaushalt“ geborgt.
Ich hatte für alle ausreichend Spagettisauce gekocht, aber diesem Braten haben Sie nicht getraut. Es war allerdings der letzte Abend an dem die „Kinder“ zu Hause waren, morgen reisen beide ab. Der Hausherr schreibt an einem Buch über seine letzte Pilgerreise nach Santiago de Compostela.
Das Ehepaar war in Santiago und hat sein neues Haus geteilt und als private Pilgerherberge eingerichtet. Abendessen mit Jean. Haben unsere Vorräte geteilt und bis 21.00 Uhr diniert, geredet.
Er ist morgens um 07.00 Uhr los. Ihn treibt das Treffen mit seiner Frau in Dax. So richtig glücklich war er nicht: „bringt mich wieder aus der Rhythmus.“
Jacqueline & Jacques Banigo-Valleret, Accueil St. Jacques, 17, rue Jacques Bergue, 40210 Labouheyre. Diese Unterkunft kann nur allerwärmstens empfohlen werden.
Habe Jean noch 2 SMS geschickt, um ihn auf gute Unter-kunftsmöglichkeiten hinzuweisen, keine Antwort erhalten. Er wollte wohl seine eigenen Erfahrungen machen, oder hing noch mit / an seiner Frau fest.
Labouheyre – St.-Pandelon, 76 km
Marie de Saint-Pandelon (07)
9. Tag
(Labouheyre, Cap de Pin, le Souquet, Castets, Dax, Saint-Pandelon)
Fahre die alte N 10 neben der Autobahn nach Süden. Habe 2 Strassenseiten für mich. Einziger Nachteil ist das Geräusch der Autobahn. Teilweise heftiger Gegenwind. 12 – 14 km auf dem Tacho, bei völlig ebener Strasse. Manchmal kommt man an den Nationalstrassen nicht vorbei. Auf dieser Strecke gibt es praktisch keine Alternative.
Sobald ich auf dem Rad sitze, bekommt das Ziel eine starke Bedeutung, wenn ich mir jede Kirche ansehen wollte, muss man zu Fuss gehen oder mit dem Auto fahren.
30 Grad Sonne, Sonne. Bis 5 km vor Dax kein Verkehr. Ich musste durch Dax durch, kein Vergnügen, Weg nicht gefunden, falsche Auskünfte. Hat aber noch geklappt und ich war eine ¼ Stunde vor meiner Verabredung mit dem Maire von Saint-Pandelon, südlich von Dax, vor Ort.
Zuerst habe ich den Feigenbaum neben der Stadtverwaltung geplündert, mich anschliessend beim Maire für die Feigen bedankt. Der Baum gehöre dem Nachbarn, aber ich solle ruhig essen, es gebe genug davon in der Gegend, war die Entgegnung des Bürgermeisters.
Die Fusspilger hatten schon von den Feigen gesprochen. Dies war das erste Mal, dass ich VOLL zuschlagen konnte. Habe so viel gegessen, wie ich nur konnte. Kleine, schmackhafte Feigen. Mit dem Rad ist man schnell zu schnell, um die Blätter der Feigenbäume zu erkennen. Die Form der Blätter ist ab sofort einprogrammiert!
Kostenlose Nutzung der alten Schule und der Sporthalle. Ich schlafe in der Schule und zum Duschen habe ich die Sporthalle, ganz für mich alleine. Kochen kann ich nicht, keine Töpfe, kein Geschirr, auch nicht nötig, habe noch genug von gestern Abend.
Kleiner, sauberer Ort von 700 Einwohnern mit einer erstaunlichen Infrastruktur: neues, schönes Rathaus, Turn-halle, Sale de Fete, grosse Kirche und die alte Schule, die auch noch für Veranstaltungen gebraucht wird, toll.
Die Luftmatratze blase ich nicht mehr auf, lächerliches „Gerät“, rausgeschmissenes Geld.
Werde gleich das Gepäck überprüfen. Alles Überflüssige muss weg. Allerdings bislang noch kein Regentag.
So, Unterkunft für Samstag und Sonntag reserviert, war etwas schwierig, da die Franziskaner am Samstag wegen einer Hochzeit geschlossen haben und ich unbedingt bei Ihnen, in St.-Palais, übernachten möchte.
Werde einen Zwischenstop in der Pilgerherberge in Sorde- l´Abbaye einlegen, immer noch günstiger als ein Hotel. Das Geld kann ich besser in Obst, Käse und last but not least in Rotwein = Treibstoff investieren.
Wetterbericht aus der Zeitung: Samstag: wolkig / sonnig, Sonntag: Regen, Montag: starker Regen.
Bislang hatte ich Glück mit dem Wetter, aber das scheint sich zu ändern, mal sehen, wie es lokal aussieht.
So, die Flasche Wein ist geleert und um 20.00 Uhr haue ich mich, auf zwei übereinander liegenden Turnmatten, in den Schlafsack. In der Nacht rächen sich die gemopsten Feigen.... aber ich habe ja mindestens 6 Toiletten zur Auswahl.
Samstag, 10. September 2005
Saint-Pandelon – Sorde-l´Abbaye, 24 km (08)
Pilgerherberge
10. Tag
(Saint-Pandelon, Cagnotte, Peyrehorade, Sorde-l´Abbaye)
Am Morgen schwarzer Himmel, als ich unter der Dusche stand, heftiger Wolkenbruch. Hörte auf, als ich auf dem Weg zur alten Schule war. Beim Packen wieder heftiger Regen. Etwas gewartet. Wäsche ist wieder nicht trocken geworden.
Zum Glück ist die heutige Etappe kurz.
Dieses atmungsaktive Zeug kostet viel und bis auf die Unterhose (die sich allerdings an den Nähten auflöst und Laufmaschen hat) hat mich bislang alles enttäuscht. Für Übernachttrocknung nicht geeignet. Habe immer gerollte Kleidung aussen an den Packtaschen, sieht lustig aus, aber mich stört der Anblick und das Geld, das ich für diese teuren, letztlich nutzlosen Sachen bezahlt habe.
Wenn es tagsüber regnen würde, müsste ich Übernachtungstage fürs Wäschetrocknen einlegen! Das kann es ja wohl nicht sein. Nur das gelbe Odlo Trikot mit den kurzen Ärmeln ist ein wenig besser.
Das Lacoste T-Shirt ist schneller trocken, als mein Gonso Funktionstrikot! Zum Glück kann ich pro Packtasche zwei Teile befestigen / trocknen. Berthoud hat Vorrichtungen angebracht.
So, es hat aufgehört zu regnen, Dankesbrief an den Maire geschrieben. Schlüssel in den Briefkasten geworfen. Ich hoffte noch ein paar Feigen zu mopsen, gebe aber auf, da der Baum klatschnass ist.
Gegen 09.00 Uhr, wie fast immer, geht es los. Früher bekomme ich es selten auf die Reihe. Bislang noch keinen Fahrradpilger getroffen, nur 5 Wanderer.
Extrem lange Steigungen vor Peyrehorade. Ein anderer Baustil ist zu beobachten. Die Häuser werden deutlich grösser. Viele Bezeichnungen, auch Strassenschilder, in baskischer Sprache. In Peyrehorade ein Paket aufge-geben, Kuchen gegessen, eingekauft.
In der Markthalle verkauft die „Schwester meiner Freundin aus Oberhausen“ zusammen mit ihrem Enkel Obst aus dem eigenen Garten. Sie hat nur kleine Mengen vor sich auf dem Boden liegen. Gewogen wird mit einer alten Handwaage. Pêches de Vignes und Weintrauben gekauft. Für € 1,50 eine grosse Tüte erhalten. Als ich das Wechselgeld dem Enkel gab, war er ganz verdattert. Die alte Dame hat sich mehr als der Enkel gefreut. Die Pêches waren köstlich, kannte ich noch nicht.
Irgendetwas schleift wieder am Rad. Paket aufgegeben, weiter nach Sorde-l´Abbaye. In der Pilgerherberge das einzige Doppelzimmer belegt, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Bleibe alleine, habe eine ganze Herberge für mich, angenehmer Hospitalero.
Diesmal einen Fahrradmechaniker gefunden, der das Schutzblech-Problem dauerhaft gelöst hat. Wollte, wie alle andern, kein Geld, da ich nach Santiago unterwegs sei. Wie immer grosszügige Spende für die Kaffeekasse. Erstaunlich, bislang hat jeder Fahrradmechaniker sofort geholfen.
Ausser der Unterkunft habe ich die ehemalige Festhalle des Ortes und ein fussballfeldgrosses Rasenstück zu meiner Verfügung. So grosszügig stand mein Rad noch nie über Nacht. Dusche verstopft, ging aber noch, Besserungsversuche zwecklos.
Sorde-l´Abbaye ist ein kleiner Ort aus dem 12. Jahr-hundert, Benediktinerkloster, eine riesige Kirche sowie ein grosses, verlassenes Gebäude direkt an einem kleinen Fluss. Ruhige Landschaft, im Hintergrund warten die Ausläufer der Pyrenäen drohend auf mich.
Im neuen Gemeindesaal findet ein Fest statt, der Ort ist ausgestorben, da natürlich alle mitfeiern.
Unterwegs Esskastanien gesammelt. Es gibt Unmengen an Kastanien und Wallnüssen auf dem Weg. Bis ich dahinter kam, dass man diese am besten mit dem Fuss aufrollen muss, habe ich mich ganz schön gestochen.
Sie brutzeln gerade in der Pfanne, es dauert zu lange. Probiere es in der Mikrowelle. 1, 2 Minuten reichen. Zu-sammen mit Rotwein und anderen Vorräten eine gute Abendmahlzeit. Immer noch kein anderer Pilger.
Sonne, Wäsche trocknet hoffentlich, hat ja einen halben Tag mehr Zeit. Würde das teure Zeug am liebsten wegschmeissen. Die Radfahrhose, die ich bei Go Sport in Châtellerault gekauft habe, trocknet einigermassen schnell.
Die Pêches de Vignes waren ausgezeichnet, klein aber schmackhaft. Auch die Weintrauben sind gut. Wäsche ist endlich trocken, am 2. Tag!!!! Dieses teure Zeug wird nicht mehr gekauft. Die frischen Kastanien schmecken gut.
Bin immer noch alleine, so ist alles Ok – aber wie wäre es, wenn überall noch 9 oder 18 zusätzliche Pilger wären? Bislang hat sich die Entscheidung: September als richtig herausgestellt, obwohl ich gerne Abendgesellschaft gehabt hätte.
Der Wetterbericht ist grausam: Zwei Autobahnen in Südfrankreich sind wegen Überschwemmungen gesperrt.
Es ist nachts 03.00 Uhr, es donnert und schüttet heftigst.
Sonntag, 11. September 2005
Sorde-l´Abbaye – Saint-Palais, 30 km
Franziskaner Kloster (08)
11. Tag
(Sorde-l´Abbaye, Carresse, Oraas, Sauveterre, Saint-Palais)
Um 07.00 Uhr regnet es noch leicht. Gegen 09.00 Uhr wieder los. Zwei Feigenbäume gefunden, einer war mager bestückt, aber der andere... hier hätte ich noch 2 Tage zu essen. Zu meinem grössten Bedauern ging es nicht.
Liebliche Landschaft, viel Landwirtschaft: Kiwis, Mais. Heute ist Sonntag und die Bauern sind auf der Jagd, man hört die Schüsse, Wallnüsse gesammelt.
Warte gerade in einer Bushaltestelle einen kleinen Regenguss ab, vor mir wachsen grosse Palmen, mildes Klima.
Viele schöne Häuser mit aufwendigen Eingängen und einer leicht schwingenden Dachform. Autofahrer rücksichtsvoll.
In einem kleinen Ort Brot gekauft. Bestimmt 12 Sorten! Backofen, Arbeits- und Verkaufsraum ohne Wand. Gemütlich, sauber, angenehmer Geruch der Bäckerei, schön zu sehen wie ordentlich alles ist. Wenn ich koche…
Landschaft einsam, unberührt, da wo die Landwirtschaft noch nicht aktiv ist. Die alten Häuser sind riesig.
Düse die Hügel hinunter und trete im hohen Gang (kleine hintere Zahnkränze) die Berge rauf – Herbert Schütten (ex Rennradtrainer von Sturmvogel Mülheim) hätte seine Freude, obwohl er mich radsportmässig nicht für eine Naturbegabung zu halten scheint.
Hügelig, hügelig. Eine Steigung habe ich nicht geschafft, falscher Gang, ging zu schnell. Die Pyrenäen vor mir….. machen ein mulmiges Gefühl.
Es ist 12.30 Uhr bin in Saint-Palais eingetroffen. Endlich eine ausländische Zeitung gefunden. Eingekauft, man weis ja nicht, was mich heute Abend erwartet.
Bin im Bistro um das 1. Stück Fleisch seit Oberhausen zu essen. Heute Abend bei den Franziskanern wird es wohl nicht so opulent werden.
Sitze hinter „Gisela Farer“, eigentlich ganz nett anzuschauen, aber die Tischmanieren machen alles kaputt.
Hinter „Gisela“ sitzt ein Paar aus den USA. Sie Grösse 60 (mindestens), er schlank. Tischmanieren noch schlechter als im tiefsten Afrika. Da dies meine einzige Blickrichtung ist, bekomme ich leider alles deutlich mit. Mich stören diese schlechten Manieren mein, zu sehr durchgebratenes, brett-hartes Steak zu geniessen.
Als Nachtisch hat der schlanke „Ami“ eine normale Portion serviert bekommen. Seine Begleitung fast einen ¼ m2.
Total bewölkt, nur wenig Wind. Muss die Zeit totschlagen, vor 15.00 Uhr möchte ich nicht bei den Franziskanern ankommen. Reserviert habe ich ja schon per Handy. Kann man ohne Mobiltelefon leben?
Im Kloster angekommen, Empfang mit einem Erfrischungsgetränk.
Ausführliche Besichtigung des gesamten Klosters mit Pater Yannik. Das Rad steht, abgeschlossen, sicher hinter Klostermauern. Es wird nur halblaut gesprochen man redet sich mit dem Vornamen an. Handys verboten.
Grosser Schlafsaal, im Moment sind eine Norwegerin, eine Französin und ich hier untergebracht. Alles sauber und gut organisiert.
Schöner Kreuzgang mit Garten und Brunnen in der Mitte. An das Kloster ist eine grosse Kirche angebaut.
Verschiedensprachige Bibeln liegen, mit der Bibelstelle des Tages, auf Lesepulten aus, aufmerksam.
Um 18.30 Uhr ist Messe, um 19.00 Uhr Abendessen. Frühstück um 07.00 Uhr, also früh aufstehen. Sitze im Leseraum und schaue mir die Literatur über Santiago de Compostela an.
Nutze die Gelegenheit meine Wäsche in der Wasch-maschine zu waschen, nur Handwäsche ist auf die Dauer nichts. Die Sachen sind wieder sauber.
Bis auf einen Ehemann sind alle anderen Ankömmlinge Frauen, ab 60 mit katholischem Aussehen, Halsketten mit religiösen Symbolen.
Ein wenig durch den Ort gegangen. Es hat seit meiner Ankunft im Kloster heftigst geregnet, zum Glück war ich drinnen. Grosse, imposante Häuser aus dem Mittelalter im Ort.
Zwei Begrüssungsgläser sind noch da, also sind noch zwei Betten frei.
Um 18.30 Uhr ist Messe, an der ich teilgenommen habe. Aber an den Messen um 23.00 Uhr und um 06.00 Uhr werde ich nicht teilnehmen.
Pater Yannick, der die Gästebetreuung macht, kommt aus dem Inneren der Bretagne.
Bin mal aufs Abendessen gespannt, zur Not habe ich noch eine Flaschen Roten, Pfirsiche, Reineclauden, Wurst und Brot dabei. Im Garten steht ein grosser Wallnussbaum, um den sich offensichtlich niemand kümmert. Jede Menge Nüsse gesammelt und teilweise mit Kate, der Norwegerin, gegessen.
Es sind nur noch zwei Mönche hier, am Monatsende wird das Kloster geschlossen. 12 Pilger waren wir beim guten Abendessen (Suppe, Hauptgericht, Käse, Rotwein der Marke Santiago de Compostela).
Das Kloster soll als Pilgerherberge von der Stadt weitergeführt werden.
Montag, 12. September 2005
Saint-Palais – Saint-Jean-Pied-de-Port, 32 km (10)
Esprit du Chemin – Private Herberge
12. Tag
(Saint-Palais, Ostabat, Saint-Jean-Pied-de-Port)
Kurz nach 08.00 Uhr ging es los. 3 ½ Stunden später war ich in Saint-Jean-Pied-de-Port. Die Ausläufer der Pyrenäen sind anstrengend, teils lange, teils heftige kurze Steigungen. Die fehlenden Nudeln habe ich gespürt.
Wetter gut, bedeckt 20 Grad. Ich hätte noch 6 - 8 km weiterfahren können, dann aber im Hotel übernachten müssen. Den Ibanetea Pass 1057 m traue ich mir am Nachmittag nicht zu.
Saint-Jean-Pied-de-Port ist ein lebhaftes kleines Pilgerstädtchen, es war gerade Markttag. Viele Touristen und natürlich viele Pilger.
Übernachte gegenüber dem Pilgerbüro bei sympathischen Holländern, Huberta und Anno, www.espritduchemin.org, Verdistraat 9, 6815 GW Arnheim. hubertawiertsema@ compuserve.com. Gemeinsames Abendessen, sogar mit einem korrekten Aperitif, Frühstück, alles zusammen inkl. Wein € 20, --.
Sauber und gut. Beide sind ehemalige Pilger, die diese Herberge gekauft, renoviert und auf Selbstkostenbasis 6 Monate im Jahr betreiben. Den Rest des Jahres sind sie in Holland um wieder ein wenig Geld zu verdienen.
Die Niederlande sind sofort an der Klarheit der Einrichtung zu spüren. Alles topsauber und sympathisch – gut das ich geblieben bin. Morgen geht es über die Pyrenäen.
Am Nachmittag werde ich mir die Stadt ansehen und ein wenig ruhen. In Saint-Jean-Pied-de-Port ist eine grosse Festungsanlage von Vauban, hat mich an Saint-Malo erinnert. Von der Festung hat man einen schönen weiten Blick auf den Ort und auf die umliegenden Berge. Offen gestanden, heben diese nicht unbedingt meine Radler-moral.
Diese Reise kann man nur alleine machen, der individuelle Rhythmus ist bestimmend und notwendig für die Freude unterwegs. Es sei denn, man hat einen Reisepartner, der wirklich ideal passt.
Mittags sitzen wir auf der Terrasse und picknicken. Das Rad ist sicher im Garten verstaut. Esse einen Teil der „Notration“, die ich für das Kloster eingeplant hatte, aber dort nicht brauchte. Die Tischnachbarn kommen aus Quebec.
In der Stadt ein wenig Verpflegung eingekauft, beim Abendessen geholfen, Tomaten schneiden, Tischdecken. Schreibe Tagebuch. Bettruhe von 10.00 bis 06.30 Uhr.
Bin in einem Zimmer mit 8 Personen. 3 Männer und 5 Frauen.
Haben in der Küche die Balken weiss lackiert, sieht wirklich nicht schlecht aus.
Gerade wird sogar ein Aperitif vorbereitet. Es kündigt sich ein angenehmes Abendessen an.
Die letzte Stunde hat es heftig geregnet. Zum Glück heute, was heute unten ist, kann morgen nicht mehr kommen.
Gut vegetarisch gegessen, auch der Kuchen war lecker. Wir waren 20 Pilger! Viel Arbeit für Huberta und Arno und das 6 Monate lang, 7 Tage die Woche. Morgens reichhaltiges, holländisches Frühstück, gegen 08.00 Uhr ging es los.
Mit einem, praktischerweise in Plastik eingeschweisstem, Spruch werde ich herzlichst verabschiedet.
Dienstag, 13. September 2005
Saint-Jean-Pied-de-Port – Villava (Pamplona) (11)
Ibañeta Pass 1057 m, Mezquiriz Pass 960 m, Erro Pass 801 m, 77 km
Kloster Trinidad de Arre
13. Tag
(Saint-Jean-Pied-de-Port, Arneguy, Valcarlos, Ibañeta Pass, Roncevales, Burgete, Espinal, Biskarreta Zubiri, Huarte, Villava /Pamplona)
16 Grad bedeckter Himmel, gutes Wetter für diese anstrengende Etappe. Erst 12 km gemacht, zwei happige Steigungen liegen hinter mir, der Pass ist noch vor mir. Heute den ersten Radpilger gesehen, er kam mir entgegen.
Kurz vor dem Ibañeta Pass werde ich von hinten ange-sprochen. Es ging hin und her: Wo kommst du her Deutschland, Deutschland, Ruhrgebiet, Ruhrgebiet, Oberhausen, Oberhausen, wie heisst du, Elimar, Christian. Worauf ich entgegnete: Dann bist Du der Sohn von Karl Seidel, dem zweifachen Magnolienmörder. Christian fiel fast vom Rad.
So habe ich Christian kennen gelernt. Mit Karl fahre ich seit 5 Jahren jeden Mittwoch Rad. Ich wusste dass Karl kurz vorher in seinem Vorgarten zwei wunderschöne Magnolien gefällt hatte. Die Welt ist klein.
Christian ist mein Tempo zu langsam, er zischt ab. Fast 30 Jahre jünger, athletisch gebaut und ca. 2 m klein. Ich mache Pausen, habe aber den Ergeiz alle Pässe hochzufahren und nicht hochzuschieben. Herbert Schütten würde an mir verzweifeln.
Lege gerade eine Rast ein, es kommt ein stark beladener Radler an mir vorbei, der mir Schokolade anbot. Dankend abgelehnt, bin gut versorgt.
Auf der Passhöhe angekommen, Christian hatte schon ge-gessen und unterhielt sich mit dem schwerbepackten Radler, der mir die Schokolade angeboten hatte.
Er kommt aus der Schweiz und ist unterwegs nach Westafrika. Hat neun Monate für die Reise eingeplant. Am Berg war er, obwohl enorm bepackt mühelos hochgefahren. Als Schweizer ist er Berge gewohnt. Er hatte sich einen Rahmen aus Aluminium, extra für diese Reise, bauen lassen. Ist nicht zufrieden, nicht stabil genug.
Alu, darüber diskutieren Reiseradler nicht.
Fotos gemacht, ein wenig geschwätzt.
Christian und ich fahren weiter nach Roncevales und beschliessen in einem Vorort von Pamplona in Villava in einem Kloster zu übernachten.
Es folgen noch weitere Anstiege, teilweise happige, gegen 18.00 Uhr sind wir vor Ort. Grosser Garten, saubere neue Sanitäreinrichtungen. Netter Abend mit anderen Pilgern, gemeinsam gekocht, getrunken, geschwätzt. Irgendwann, gut nach Mitternacht ging es in die Falle. In der Nacht wurde ich 2x gerüttelt, scheine wohl zu schnarchen.
Beim Einkaufen ist uns eine nette Geschichte passiert. Das Lebensmittelgeschäft, in dem wir neben 3 Litern Wein auch ein paar Lebensmittel kauften, hatte kein Brot mehr. Als wir auf dem Rückweg waren, öffnete sich eine Haustür und der Bäcker und seine Frau schenkten uns zwei Brote. Die Frau des Bäckers hatte unsere Unterhaltung im Geschäft mitbekommen.
Christian wunderte sich über die 3 Liter Roten, die ich gekauft hatte, war nicht ausreichend. Wir haben natürlich mit den anderen geteilt. Für uns alleine hätte es vermutlich gereicht. Super Abend.
Das Kloster ist malerisch gelegen, direkt neben einer schönen Bruchsteinbogenbrücke. Ruhig, obwohl praktisch in Pamplona. Schöner, grosser Garten, bis aufs Kassieren, leider keinen Kontakt zum Kloster.
Mittwoch, 14. September 2005
Pamplona (Villava) – Ayegui
Pérdon Pass 734 m, 60 km, (12)
Übernachtung in der Turnhalle
14. Tag
(Villava, Burlada, Pamplona, Cizur Mayor, Puente la Reina, Maneru, Cirauqui, Lorca, Villatura, Estella, Ayegui)
Sind erst gegen 10.00 Uhr losgefahren, waren ein wenig „geschädigt“. Stadt kurz besichtigt. Für das Betreten der Kathedrale wurde Eintrittsgeld verlangt, für das Geld haben wir Teilchen gekauft....
Man macht den Trick über ein Museum, von dem man Zugang in die Kathedrale hat. Die Idee ist nicht dumm, anschliessend öfter gesehen.
Sympathische Stadt, nicht zu gross, viele Parks, Verpflegung gekauft, in einem Park zu Mittag gegessen. Sind dummerweise um 13.00 Uhr losgefahren. Temperatur über 30 Grad, zum Teil starke Anstiege, habe schieben müssen.
Die Polizei wies uns an, die nagelneue Autobahn zu benutzen. So fuhren wir über die Autobahn, ein komisches Gefühl, insbesondere an den Auf- und Abfahrten nicht so doll.
Nachdem die Pässe erreicht waren und der erste Windmühlenpark hinter uns lag, bog Christian ab um eine „Naturpause“ zu machen. Ich bin auf der autoleeren N 111 bis nach Puente La Reina gefahren. Wir haben uns an der Kirche verabredet. Zum Glück eine Bank im Schatten gefunden.
Gegenüber der Kirche ist eine Herberge mit 102 Betten, gerade wurden 2 Radpilger weitergeschickt, entweder voll oder sie nehmen nur noch Fusspilger auf.
Christian kommt an, hat einen Speichenbruch, behebt ihn wie ein Profi.
Anschliessend wurde die berühmte Brücke, aus dem 11. Jahrhundert besichtigt, fotografiert und überfahren.
Es wurde wieder echt schwierig, habe häufig geschoben, immer rauf und runter. Nach meiner Erinnerung meistens rauf. Wunderbare Landschaft mit weiten Blicken. In Estella war die Herberge belegt. 10 km weiter bei Holländern reserviert.
Habe Unterkunft in einer Turnhalle in Ayegui gefunden. Den Holländern abgesagt. Christian über das Handy erreicht, so mussten wir nicht weiter. Wäre äussert ungern im Dunklen gefahren, zumal Christians Rad unbeleuchtet war.
Christian war zum Weinbrunnen vorgefahren (kostenloser Weinbrunnen für Pilger). So hat Christian 3 kg zusätzlichen Ballast. Da er die eine oder andere Woche jünger ist, kann er das Mehrgewicht besser verpacken als der Oldie.
2 GROSSE Bier stehen vor uns und wir bekommen noch ein warmes Abendessen. Es ist kurz vor 21.00 Uhr, verschwitzt wie wir sind, essen wir zu Abend, später gibt es nichts mehr, geduscht wurde später. Christian schläft in ordentlichem Abstand zu mir….. und auf dem Boden, damit er die Beine ausstrecken kann.
Seine Mutter arbeitet im Alfried Krupp Krankenhaus, Essen, in der HNO Abteilung, auf der ich in 2006, auf dringliche und eigene Empfehlung Christians, 4 x zu „Gast“ war. Mein Schnarchproblem ist beseitigt, bin wieder Schlafsaal tauglich.
Um 11.00 Uhr weckt mich der Herbergsvater, ich solle mich umdrehen, offensichtlich schnarche ich laut.
Um 13.00 Uhr los zufahren war natürlich nicht optimal, aber ein wenig wollten wir von Pamplona sehen.
Donnerstag, 15. September 2005
Ayegui – Logrono, 48 km, (13)
Gemeindeherberge
15. Tag
(Ayegui, Villamayor, Barbarin, los Arcos, Sansol, Viana, Logrono)
Am nächsten Morgen werden wir zwar von Vivaldi geweckt aber nach einem teuren, spartanischen, spanischen Frühstück schnell und recht unhöflich um 08.00 Uhr rausgeworfen.
Das Frühstück war eigentlich immer schlecht und teuer.
Klaus, Pfarrer aus der Schweiz getroffen, fährt mit Christian weiter, wollen auf dem Camino fahren. Nichts für mein Rad.
Auf der N 111 gefahren, teilweise Neubau, später auf der alten N 111. Kaum ein Auto auf der alten N 111. Es geht auf und ab und auf und ab. Entweder liegt es am Streckenprofil oder an den Beinen, bislang bin ich gut drauf und habe nicht schieben müssen.
Pause in Sansol am Brunnen gemacht. Viele marscherprobte Kanadierinnen jeden Alters und jeder Gewichts-klasse sind da. Einige lassen das Gepäck mit einem Gepäckwagen transportieren, soll € 3, -- pro Etappe kosten. Man erkennt sie an den Rucksäckchen. Andere sind bepackt wie Kamele.
Es ist 11.00 Uhr und erst 25 km sind hinter mir. Bis Logrono muss es wenigstens gehen. Langsam fängt die unbarmherzige Mittagshitze an.
Den ganzen Vormittag durch das Rioja-Gebiet gefahren. Wein, Wein, Wein, vereinzelte Olivenbäume. Ausgedörrte Landschaft, schöne weite Ausblicke, insbesondere im Morgendunst, romantisch.
Der vordere Umwerfer hat sich verstellt.
Bleibe wie geplant in der städtischen Herberge in Logrono. Übernachtung 3 €. Zwei Computer mit Internetanschluss.
Hier treffe auf Christian und Klaus. Pilger treffen sich immer wieder.
Um 17.00 Uhr macht der Fahrradhändler auf, der die Schaltung perfekt eingestellt. Wollte € 5, -- haben, € 10 ge-geben. Hat bis zum Ende der Reise keine Probleme mehr gemacht.
Esse um 14.00 Uhr in Logrono zu Mittag. Einrichtung aus dem 19. Jahrhundert, das Restaurant heisst „Café Moderno“ besteht seit 1912. Tagesmenu € 8,50. Essen gut. Grosser gemischter Salat, Seezunge, Obstsalat. Cognac bestellt, es kam der in Spanien übliche 1/8 Liter!!!
Bis 17.00 Uhr habe ich Zeit, das Mittagessen und den Cognac zu verdauen, vorher hat der Fahrradhändler nicht auf. Das erste warme Mittagessen in Spanien.
In der Herberge gibt es kostenlosen Internetzugang, hoffentlich ist er nicht zu besetzt, wenn ich den Spiegel lesen möchte. Meine E-Mails interessieren mich nicht, man ist in einer anderen Welt.
Im Lokal treffe ich wieder den Deutschen mit den verschorften Zöpfen, den ich gestern getroffen hatte, als ich auf Christian wartete. Er spricht fliessend spanisch, unangenehmer Typ. Pilger treffen sich immer wieder.
Wenn ich meine Schrift und Orthographie so sehe, frage ich mich, ob ich je einen Schulabschluss erreicht habe. Aber man ist einfach KAPUTT.
Muss morgen früher raus, die Mittags- und Nachmittagssonne schlaucht.
Die Flasche Wein und der Cognac haben € 2,10 gekostet.
Um 19.00 Uhr ist das Rad fertig. Der Sohn des zweifachen Magnolienmörders und Klaus übernachten in der gleichen Herberge. Pilger treffen sich immer wieder. Nachdem er und Klaus den Pilgerweg genommen hatten, hatte ich nicht mehr mit Ihnen gerechnet. Hatte schon mal eine Flasche Rioja gekauft.
Hitze, Hitze, der Fernsehbericht, sagt nur vollen Sonnenschein voraus. Brutal, brutal.
Nach 14 Tagen noch nicht einmal Muskelkater gehabt.
Es ist fast 18.00 Uhr, die Stadt erwacht, die Geräusche der Strassen werden hörbarer. Vorhin erfahren, dass die Jugendherberge in Estella vorzüglich sei. Daran habe ich gestern Abend nicht gedacht, ich hatte mir extra einen Ausweis besorgt. Es soll sogar 3 Bettzimmer geben, soll nur mässig belegt gewesen sein. Vorbei, zu spät, Estella liegt hinter uns. Viele, wie ich, machen Siesta.
Bin nicht originell, nachdem es mittags gut war, bin ich wieder im „Café Moderno“ und esse Tintenfischringe mit Bier, habe wirklich Durst. Aber schon nach 4 Glas meine Bettschwere erreicht. Es ist 20.20 Uhr, hier fängt der Jubel und Trubel erst an. Viele Tische sind noch leer, lange wird es so nicht bleiben.
Lebhaftes Treiben auf den Strassen, weit über 25 Grad. 20 % telefonieren mit dem Mobiltelefon, endlos. Manchmal sitzen Zwei alleine am Tisch und telefonieren, miteinander? Warum sind Sie in ein Lokal gegangen?
Insbesondere von jungen Damen wird viel Kaugummi gekaut, sieht nicht damenhaft aus.
Schöne und häufig prunkvolle Kirchen, aber ekelig scheppernde, billige Glocken.
Sitze im Hof der Herberge. Es werden frische Feigen gereicht. Ein Eierkarton voll steht auf dem Tisch, das alles für € 3,00. Wirklich angenehm. Zusammen mit der Flasche Rioja kann ich es aushalten. Die nackten Wände und Böden machen die Herberge laut.
Die Fahrradreparatur ist gut ausgeführt, der vordere Umwerfer funktionierte nicht mehr auf den letzten 10 km, musste die Kette per Hand umlegen.
War wieder auf der Post, ein Paket und drei Filme. Das Rad läuft jetzt fast wie ein Rennrad, im Vergleich zu vorher.
Viele Kanadier unterwegs, Franzosen, Deutsche und einige Italiener getroffen. Bis auf wenige Ausnahmen, interessante Mitreisende. Vermutlich ein Reiseziel mit hohem Akademikeranteil, man findet immer interessante Gesprächspartner.
Gerade bringt die Herbergsleitung die gesamte Wäsche der Pilger ins Haus, damit sie über Nacht weiter trocknen kann. Zum ersten Mal gesehen, wirklich fürsorglich, in allen anderen Herbergen musste man sich selbst darum kümmern.
Bin jetzt 14 Tage auf dem Jakobsweg, nicht zu beschreiben = extrem anstrengend, meine bisherigen Fahrrader-fahrungen passen nicht auf dieses teilweise extreme Relief und die Temperaturen, die für mich nur am frühen Morgen wirklich erträglich sind. Am Nachmittag mache ich nicht so viele Kilometer.
2005 war in Frankreich und in Spanien ein besonders heisses Jahr mit ungewöhnlich hohen Temperaturen.
Morgen ist theoretisch eine „normale“ Etappe, mal sehen wie es in der Realität aussieht. Mit meiner heutigen Leistung bin ich zufrieden. Kein Mal geschoben, obwohl es manchmal recht steil war. Habe langsam Oberschenkel wie ein junger Elefant.
In der Herberge gibt es 2 Internetplätze, kurz in den Spiegel geschaut, irgendwie interessiert es nicht, über-haupt nicht. E-Mails nicht abgerufen, können warten.
Die spanische Damenschaft trägt auffallende Kopftücher mit Fransen, Perlen, etc.. sieht recht schick aus, verdeckt die gelittene Frisur.
Freitag, 16. September 2005
Logrono – Grañon – 58 km, (14)
Pilgerherberge
16. Tag
(Logrono, Navarrette, Ventosa, Nájera, Azofra, Canas, Santo Domingo de la Calzada, Grañon)
Um 06.00 Uhr aufgestanden, um 08.00 Uhr losgefahren, um 14.00 Uhr war ich in Santo Domingo de la Calzada. Kirche ist zu, sympathische Altstadt.
Esse ein paar Tapas mit Sprudel. Heiss, Heiss!!!.
Die neu eingestellte Schaltung funktioniert gut.
Die N 232 gefahren und die N 120. Teilweise wieder, bei der Ortsausfahrt aus Logrono: Autobahn. Musste anhalten, weil mir die Hände von Lenker festhalten schmerzten. Der Seitenstreifen ist recht eng und die Lkw´s haben eine ordentliche Sogwirkung. Ständige Konzentration, kein schönes Fahren. Eine happige Steigung, an der ich geschoben habe. Der Rest kräftezehrend per Beinantrieb. Dummerweise teils heftiger Seitenwind, macht das Fahren nicht leichter, bei manchen Abfahrten habe ich mehr als 50 km auf dem Tacho, da muss man bei diesem Wind ganz gut zupacken. Muss mir wieder Handschuhe kaufen, die Hände tun zu weh.
Tapas sind zwar lecker, aber im Vergleich zu einem Menu verdammt teuer.
Um 15.30 Uhr in Grañon angekommen. Trotz der Pause war ich fix und fertig. Unterbringung in einem Teil der Kirche, stilvoll. Gemeinsames Abendessen, vorher Gottesdienst. Sitzen alle vor dem Café trinken Bier und warten darauf, dass das Geschäft und der Bäcker aufmachen.
Ein paar Kleinigkeiten gekauft € 15,00, soviel kostet ein gutes Essen mit viel Wein!
Wind kommt plötzlich auf, es ist nicht mehr so drückend, soll morgen regnen.
Kleiner Ort stilvolle Atmosphäre, beim Bäcker gibt es keinen Laden, es wird in der Backstube verkauft.
Christian und Klaus sind eingetroffen. Pilger treffen sich immer wieder. Sie müssen in der Kirche schlafen, der Schlafsaal ist voll.
Noel sitzt neben mir, er hat ein eigenes Boot in Brest, ein 2. im Mittelmeer, seine gut aussehende Frau segelt selten mit. So haben sich nicht nur Pilger, sondern auch Seesegler getroffen und hatten ausreichenden maritimen Gesprächsstoff.
Samstag, 17. September 2005
Grañon – Villafranca-Montes de Oca, 37 km, (14)
17. Tag
(Grañon, Viloria de Rioja, Belogrado, Tosantos, Villafranca Montes de Oca – selbst Umweg gefahren)
Der Tag fing schlecht an, war um 08.00 Uhr fertig, hatte eine Alternative auf der Karte gefunden – die wir (Klaus, Christian, Nina und Stephan) allerdings in der Natur nicht wieder fanden. Feuchter Lehmboden. Bei Klaus und mir ging nichts mehr. Der Lehm hatte sich unter den Schutzblechen verklebt. Konnten alleine die Räder nicht schieben, musste zu zweit gemacht werden. Aufsatz für Klickpedal verloren, später wieder gefunden. Die Halterungsstange für die Lenkertasche ging bei der Aktion verloren. Zum Glück hatte Christian die kaputte Speiche aufgehoben, damit und mit einer neuen ging es.
Müde Beine, wollten schon am Morgen nicht.
Um 09.00 Uhr ging es endlich los, für ein paar hundert Meter, es wurde eingekauft, Stempel geholt etc…... Um 09.30 Uhr waren wir endlich auf der Strasse. Für mich zu spät, ich brauche diese 1 ½ Stunden fürs Radfahren, da meine Kondition nicht so gut ist wie die ihrige. KONDITION!!!
Kurz vor Villafranca fing es ordentlich an zu regnen. Zum Glück war die nächste Herberge nur 10 Minuten entfernt. Nase voll, Schluss für heute.
Mit Hew aus Irland Mittag gegessen, er hatte auch in Grañon übernachtet. Pilger treffen sich immer wieder.
Siesta, Einkaufen, gemeinsames Abendessen, um 20.00 Uhr lag ich in der Falle. Am nächsten Morgen um 06.00 Uhr raus.
Sonntag, 18. September 2005
Villafranca Montes de Oca – Burgos 37 km, (14)
Pedraja Pass 1.150 m
Pension
18. Tag
(Villafranca Montes de Oca, Villamorico, Ibeas de Juarros, Burgos)
Nach dem Wechsel der Klötze hinten, Probleme mit der Magura Bremse gehabt. Waren aufgebraucht, obwohl vor der Abfahrt aus Deutschland erneuert. Lange gefummelt bis es geklappt hat, hatte mich dumm angestellt.
Es ist Sonntag, kein Lkw unterwegs. Fahre Strasse, Anstieg nicht zu unterschätzen.
Bin 22 km vor Burgos, wo ich übernachten werde. Burgos möchte ich mir anschauen. Saukalt, vermisse Winter-handschuhe, lange Radlerhose. Sitze halbwegs geschützt in einer Bushaltestelle. Windig. Bei Abfahrten merkt man es deutlich.
Christian hat eine SMS geschickt. Herberge in Burgos mies, hat eine Pension empfohlen. Ich glaube ein Zimmer mit Bad wird mir zur Abwechslung gut tun. In der gleichen Pension wie Christian und Klaus abgestiegen, liegt zentral, sauber. € 25, -- die Nacht. Mache eine Siesta, sehe ich mir danach die Stadt an.
Fahrradreisen, zumindest in Spanien, verbunden mit Kultur kann man vergessen: man ist kaputt, kaputt, kaputt. Es ist wie im bergischen Land, meistens aber schlimmer. Obwohl die Tagesetappen teilweise in km kurz sind, sind sie für mich mit 60 Jahren und insbesondere bei diesen Temperaturen, anstrengend, die nächste Kirche ist mir häufig egal.
Sitze auf einer mit Planen überdachten Terrasse. Als ich kam, war alles frei, jeder Tisch ist nun besetzt. Lebhafte, sympathische, spanische Stimmung. Die FAZ, die ich auf dem Weg hierher gekauft habe, war leider vom Donnerstag. Das Buchgeschäft war am Sonntag geöffnet und gut besucht. Nachdem Essen werde ich in die Pension gehen, brauche Schlaf.
Trinke ALLES mit Zucker, salze ALLES, man ist fertig, braucht Salz und Kalorien.
Die teure Odlo Ware trocknet schlecht, laufe ohne Unterhose, ungewohnt, durch die Gegend, aber die einzige, die ich mit habe, trocknet nicht so schnell. Obwohl Odlo ein wenig besser ist als der sonstige teure Funktions-Schrott.
Ständig unangenehmer Wind in dieser Stadt. Man hat immer mindestens Windstärke 4. Auf dem Weg hierher teilweise 6 – 7 - 10, als Seesegler hoffe ich richtig geschätzt zu haben. Teilweise Mühe gehabt das Rad auf der Strasse zu halten (Abfahrten). Kathedrale von Aussen besichtigt. Mittagessen, geschlafen. Es ist 21.00 Uhr, werde ein paar Tapas essen und ins Bett gehen.
Elimarchen hat mir die Wahlergebnisse gesmst.
SPD 34,1, CDU 35,3, FDP 10,1, Linke 8,5, Grüne 8,1. Erstaunlich schlechtes Ergebnis für die CDU.
Saukalt in der Stadt, es zieht aus allen Richtungen. Teilweise schöne Bausubstanz. Viele Leerstände, schöne Alleen entlang des Flusses, man müsste mehr Zeit haben, aber als Radler ist man immer irgendwie getrieben, insbesondere, wenn man noch 11 von 18 Etappen vor sich hat und nicht weis, was sonst noch kommt.
Gegenüber der Pension ist ein Internetcafé. Olivier und Felix hatten gemailt. Spiegel gelesen. Der Wahlausgang ist besonders spannend, wer hätte das gedacht.
Habe nur noch zwei Reserve Bremsklötze, muss neue kaufen, hatte 4 mit, deutlich zu wenig.
Montag, 19. September 2005
Burgos – St. – Antón, 56 km, (17 + 18)
Private Pilgerherberge in der Klosterruine
19. Tag
(Burgos, Villabilla de Burgos, Tardajos, Las Quintanillas, Villanueva de Argaño, Yugedo, Villandigo, Castellanos de Castro, Hontas, St. Antón)
Um 10.00 Uhr ging es endlich los, nachdem ich erst Bremsklötze gekauft und einen Film losgeschickt habe. Die deutsche Post sollte sich mal die Hauptpost in Burgos anschauen, wie ein Grandhotel und top organisiert.
Zuerst Strasse gefahren, die N 120 war nach der Ortsausfahrt aus Burgos menschenleer. Später auf einem üblen Schotterweg, dem Camino, gefahren. Anstrengend und langsam, für ein Strassenrad nicht geeignet.
Bin in Hontas, es ist 13.30 Uhr, esse das Pilgermenü € 7,50 inkl. einer Flasche Roten. Schöne private Herberge, Übernachtung € 5,--. Bislang die schönste, die ich gesehen habe. Muss aber noch weiter, heute Vormittag zuviel Zeit verloren.
Karge Landschaft, kaum Bäume und Sträucher. Schwierig Fotos zu machen, wenn man keine Überlandleitung auf dem Bild haben möchte. Unterirdisch liegt hier nichts. Immer sind irgendwelche Masten da, kann mir nicht vorstellen, wofür die alle dort stehen. Es ist 14.15 Uhr, werde mich in den Schatten setzen. Habe noch einen Anstieg bis Castrogeriz und ca. 10 km vor mir.
Will mal ausprobieren, ob die Etappenlängen von H. Drouve mir liegen.
Heute morgen zwei Schweizer beim Fahrradhändler getroffen. Man hatte ihnen in der abgeschlossenen Hotelgarage die Sättel gestohlen. Wenn das auf dem Land passiert wäre…. Schloss für Sattel unbedingt notwendig. Auch Drouve war schon Opfer, hatte den Tipp von ihm, mein Sattel war die ganze Zeit abgeschlossen.
Superunterkunft in den Ruinen vom Convento de St. Antón gefunden. Nur 12 Betten, unbeschreibliche Atmosphäre, bislang der absolute Hammer. Stimmungsvoller geht es nicht. Im Ort, im Internet Spiegel gelesen, eingekauft.
Stilvolles Abendessen mit Kerzenlicht, kein Strom. Die Nacht war saukalt. Zum Glück hatte ich 2 dicke Decken, den Schlafsack und den Trainingsanzug. Wir waren insgesamt zu 6 Pilgern.
Dienstag, 20. September 2005
St. – Antón – über Villava nach Sahagún – 110 km
(18 + 19)
Übernachtung im Hostal
20. Tag
(San Antón, Castrojeriz, Boadilla del Camino, Fórmista, Carrion de los Cóndes, Calzadilla de la Cueza, Legidos, Sahagún – bin selbst einen Umweg gefahren)
In Boadilla del Camino Rast gemacht, zweites Frühstück mit Serano-Schinken, ein paar Spiegeleier und einem Topf Milchkaffee. Schade, dass ich hier nicht übernachten kann: sogar ein Schwimmbad, super Garten, gepflegt, wie im Traum, Fotos gemacht, schicke sie gleich los.
Beine gut, komme gut voran, allerdings erst um 09.30 Uhr losgefahren. Pilger – Familie mit Kleinkind und drei Eseln getroffen, wollte keine Fotos machen…
Auf den Dörfern teilweise schlimmste Armut, kein fliessendes Wasser in den Häusern, Ansiedlungen, die nur aus Plastikplanen bestehen, auf freiem Feld.
An den Stellen, an denen die Pilger durchkommen, geht es den Bars und Geschäften offensichtlich gut. Im letzten Jahr sollen es 180.000 Pilger gewesen sein. Man gibt am Tag für die Verpflegung zwischen € 10 und € 40 aus. Der Camino ist für diese entlegene Gegend ein Wirtschaftsfaktor. Sicherlich hätte mancher Ort ohne den Camino keinen Laden und kein Café mehr.
Es ist 13.30 Uhr bin im Restaurant in Carion de los Condes, auch wenn ich gerne sofort weiter wollte, es geht wegen der Sonne nicht mehr. Man kommt um diese Siestazeit nicht herum oder man ist am nächsten Tag tot. Habe bislang 53 km gemacht. Dafür, dass ich so spät los bin, hat es eigentlich gut geklappt. Nach dem Essen mache ich im Park, vor der Kirche Siesta, gegen 15.00 Uhr geht es los.
In allen Restaurants (Ausnahme Burgos) läuft ununter-brochen ein Fernseher, unmöglich. Alle Mittagsgäste in diesem Lokal sind Pilger. Nach Villada gefahren, dort soll es ein Hotel und eine Pension geben. Die Fahrt war, wie von Drouve beschrieben, wunderschön und auf menschen- und autoleeren Strassen, auch die N 120 war absolut leer.
Angekommen, Hotel zu, Pension eine Absteige neben den Gleisen. Eine Pilgerherberge war ausgeschildert, keiner kannte sie, also weitere 15 km bis Sahagún. Erstes Hotel am Ortseingang genommen. € 35,-- die Nacht.
In die Stadt gegangen. Angenehmes Vater und Sohn Fahrradteam aus Triest getroffen. Der Vater ist 3 Monate jünger als ich, der Sohn in Elimarchens Alter. Der Sohn sagte mir, er sei froh den Weg mit seinem Vater zu machen, er verstehe jetzt den „Alten“ besser. Sie fahren nicht bis zum Cabo Finisterre, haben weniger Zeit.
Es ist knapp 22.00 Uhr und in spätestens 15 Minuten liege ich flach. Der Vater ist übrigens in Bochum geboren worden. Wir werden uns sicherlich noch unterwegs treffen.
Mittwoch, 21. September 2005
Sahagún – León, 68 km (19)
Pilgerherberge
21. Tag
(Sahagún, El Burogo Raneros, Mansilla de las Mulas, León)
Gegen 09.00 Uhr Abfahrt aus Sahagún, kalt, gegen 11.00 Uhr kann ich erst die Jacke ausziehen.
Am Ortsausgang die beiden sympathischen Italiener getroffen. Pilger treffen sich immer wieder. 1 - 2 km zusammen geradelt, sie sind abgezischt, ich habe nicht soviel Kraft wie sie. Der Vortag, mit den 110 km, steckt in den Knochen.
Die Einfahrt nach León war kriminell – 4spurig, Laster, Laster, musste mich voll konzentrieren, manche Laster waren verdammt knapp. Am Ortseingang äusserst schlecht und teuer bei Carrefour gegessen.
Fand und fand die Benediktiner Herberge nicht. Ein Spanier hat mich dann freundlich zu Fuss dorthin geleitet. Gebildeter, höflicher Herr, sprach leider kein Wort einer anderen Sprache.
Vor dem Herbergseingang die beiden sympathischen Italiener getroffen. Pilger treffen sich immer wieder. Es war gegen 15.00 Uhr. Gegenseitig Fotos gemacht, sie wollten und mussten noch weiter.
Auf dem Weg zum Kloster schreit plötzlich jemand „Elimar“ Klaus, der Pfarrer aus der Schweiz, war mit Christian hier hängen geblieben. Pilger treffen sich immer wieder. Christian hat Magenprobleme und vielleicht auch nicht mehr so den ungestümen Elan wie zu Beginn der Reise. Später ein Bier mit Klaus getrunken, nachdem ich mich im Kloster angemeldet hatte. 90 Männlein in zwei Schlafsälen, diesmal sind die Weiblein eine Etage tiefer. Wir haben uns für heute Abend um 20.00 Uhr auf ein Bier verabredet. Will mir ein paar Handschuhe kaufen.
León ist eine lebhafte, von der Bevölkerung her junge Stadt, viele, viele Bars und Restaurants.
Mal sehen wie morgen die Beine sind. Nachdem ich gestern einen Tag eingeholt hatte, überlege ich die nächste leichte Etappe mit dem Beginn der folgenden schweren Etappe zusammen zulegen. Es geht auf 1.530 m. Es wäre besser, wenn ich diese Etappe morgens, wenn es noch nicht so heiss ist, mit frischen Kräften zu beginnen.
Habe ein wenig Muffe vor diesem Anstieg und der Abfahrt mit 17 % Gefälle. 17 % kenne ich nicht, kann es mir in der Natur nicht vorstellen.
Die Spanier tragen häufig bei 26 Grad um 20.00 Uhr einen Pullover, die Besucher so wenig wie möglich. Man weiss immer genau wer Spanier ist.
Packtaschen umgebaut, die grossen kommen nach vorne und die kleinen nach hinten. Sieht etwas seltsam aus, ist aber die eindeutig bessere Gewichtsverteilung. Hatte mich aus optischen Gründen bislang dagegen gesträubt, obwohl ich die Zeichnungen von Gilles Berthoud gut im Gedächtnis habe. Werde es morgen auf der leichten Etappe vorsichtshalber ausprobieren.
Beim Abendessen waren auch Regina und Stephan dabei. Pilger treffen sich immer wieder. Regina hat man die Unterwäsche von der Leine geklaut. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich eine abschliessbare Wäscheleine mitnehmen wollte.
Donnerstag, 22. September 2005
León – San Justo de la Vega, 70 km (19)
Pension Hostal Julie
22. Tag
(León, Hospital de Orbigo, San Justo de la Vega)
Um 6 Uhr aufgestanden, um 8.00 Uhr ging es los. Die neue Packtaschenverteilung: vorne die grossen und hinten die kleinen, hat sich in steilen Abfahrten gut bewährt. Auch auf den Flachetappen bin ich zufrieden.
Irgendwo wird immer geschossen, geböllert. Häufig erinnert die Weite an Afrika. Mitten auf dem Land viele eingezäumte unbebaute Grundstücke, weit und breit kein Haus, teilweise teure Einfriedungen.
Interessante Kellerbauten. Schornsteine für die Belüftung (?) ragen aus den Erdhügeln heraus. Manchmal stehen einige dieser Bauten zusammen.
Mache nach 30 km Pause in Villar de Mazarife: Spiegeleier, Serrano-Schinken, Café con Leche. Fanta und 2 Pfirsiche gekauft.
Glocken läuten gerade, wie immer billig scheppernd.
Es ist 14.00 Uhr, für heute ist Schluss. Bin in San Justo de la Vega. Die Übernachtung kostet € 5,00. Der Ort liegt kurz vor Astorga.
Der VDO Tacho hat den Betrieb eingestellt, mehr als störend. Habe Probleme mit einer Packtasche. Ein Metall-ring hat sich aufgebogen, zwei Schlüsselringe gekauft, Problem behoben, Spanngurte gekauft damit die Pack-taschen nicht so vibrieren, die Wege sind teilweise unmöglich. Auf dem Camino sollten Zahnprothesenträger diese entfernen, sofern sie mit dem Rad unterwegs sind.
In dem Hostal sind nur Spanier, es gibt nur ein Menu – ich brauche mir also bei der Auswahl nicht den Kopf zu zerbrechen, gute Linsensuppe, Fleisch (grosse Portion) und Pommes, Wein und Nachtisch. Pommes waren selbst gemacht, lange nicht gegessen. Gerade noch einen Cognac bestellt, wieder ein 1/8 Liter, reicht für die Siesta.
Von 12.30 bis manchmal 17.30 Uhr ist alles geschlossen. Bis weit in den Nachmittag brütend heiss. Habe mir die klimatischen Anstrengungen bzw. Restriktionen nicht so vorgestellt, sie machen den Tag kurz.
Die gestern gekauften Handschuhe machen das Fahren auf schlechten Wegen deutlich angenehmer.
Brauche eine Isomatte, aber auch Schatten, um diese aus-zurollen.
Der Cognac hat seine Wirkung getan, haue mich kaputt in die Falle. Im Lokal kennt sich jeder. Jeder hat seinen Stammplatz und wird automatisch mit dem bedient, was er immer bestellt. Häufig bleibt die Mütze auf.
Schlafe im Hostal Julie, sauberes, eigenes Bad, nagelneu renoviert, besser geht es nicht.
Zimmer, obwohl zur Strasse, ruhig. Werde mir mal die Geschäfte im Ort ansehen.
Christian angerufen, Tipp weitergegeben; er musste in León bleiben, hat Gesundheitsprobleme. Klaus, Regina und Stephan sind ohne Christian weitergefahren.
Gestern Nacht habe ich mit 64 Männern im gleichen Saal geschlafen und € 10,00 gespendet und musste um 21.30 Uhr in der Herberge sein, da das Tor geschlossen wurde, um 22.00 Uhr war das Licht aus.
Um 18.30 Uhr aufgewacht, Christian angerufen, dem Sohn des zweifachen Magnolienmörders geht es immer noch nicht besser, noch undefinierbar schlapp, geraten Magnesium und Vitamintabletten zu kaufen. Meine Magnesium- und Vitamintabletten am Morgen haben sich bewährt. Christian ist 2 m klein und wiegt mehr als 100 kg, wenn es einen solchen jungen Kerl umhaut, heisst es vorsichtig zu sein.
Werde morgen bis ans Cruz de Ferro ranfahren, den Aufstieg aber erst übermorgen machen. Lese gerade, dass Rita Houston treffen soll, Nina angerufen. Elimarchen soll eine E-Mail schreiben, Farers. Alles nochmals durch-gesucht, kann die E-Mail der Farers nicht finden. Schlimme Bilder im Fernsehen.
Liebe Wirtsleute, servieren zum Abendessen einen riesigen Vorspeisenteller; wir haben uns auf einen zusätzlichen Teller und Vorlagebesteck geeinigt, hätte selbst ich nicht geschafft. Anschliessend gab es 4 grosse Scheiben Fisch, wirklich grosse Stücke, und die Nachfrage, ob ich noch mehr möchte. Bin der einzige Gast im Lokal, woanders hätte man für 1 Person nicht die Küche aufgemacht.
Das Rad ist wie immer mit 4 Schlössern abgeschlossen, gerade noch einmal nachgesehen, ob alles in Ordnung ist. Werde morgen ausprobieren, ob ich auf die beiden kleinen Packtaschen verzichten kann, hätte so alles Gewicht da, wo es hingehört: vorne und unten. Alles umgepackt, mit den Taschen scheint es zu klappen. Morgen auf der Strasse ausprobieren, wenn es funktioniert hätte ich die optimale Gewichtsverteilung.
Regina hatte Felgenprobleme mit dem Hinterrad, brauchte eine neue Felge, hatte alles Gewicht auf dem Gepäckträger plus Rucksack. Bislang nur 4 oder 5 Reiseräder mit Low-Ridern gesehen. Alles andere fährt, bis auf die Lenkertaschen, alles Gewicht hinten und häufig noch einen Rucksack auf dem Rücken.
Beim Bezahlen stellte sich heraus, dass der Preis für das Zimmer € 22,00 war, der Preis von € 5,00 galt für die Alberge im Hof, egal, war nach drei Wochen nötig.
Freitag, 23. September 2005
San Justo de la Vega – Rabanal del Camino – 26 km (22)
Gemeindeherberge
23. Tag
(San Justo de la Vega, Astorga, El Ganso, Rabanal del Camino)
9.00 Uhr los, recht kühl, um 10.30 Uhr erst 21 Grad, selten so viel Strassenbau gesehen. Viel EU-Förderung. Durchquere alte Dörfer. Manchmal 30 Häuser und Ruinen und 5 Cafés oder Restaurants / Alberges.
Sonne kommt raus. Wenn ich diese Berge so immer näher kommen sehe, bekomme ich ein mulmiges Gefühl. Christian geht es heute besser, hat Schlauchprobleme (bei den Felgen und Reifen kein Wunder, hat zu schmale Felgen für seine 50-622 Marathon Reifen).
Fahre über eine frisch geteerte Strasse, regelmässig spuckt das Vorderrad Steine aus. Obwohl es leicht bergab geht, komme ich schlecht voran, ich klebe am frischen Teer. Hoffentlich sieht das Rad nicht schwarz aus.
Um 11.00 Uhr mache ich eine Frühstückspause in El Ganso, Kaffee und ein Stück Quiche.
Noch 7 km bis Rabanal del Camino. Die Steigung hatte es in sich, nun geht es bergab. Trotz des Tretens nur 11 – 12 km auf dem Tacho, heftiger Gegenwind.
Mehr und mehr Pilger auf dem Weg.
Beim letzten Anstieg hat es mich im völlig falschen Gang erwischt, kurzes Stück schieben.
Die geübten Wanderer erkennt man an Beinen wie Rebstöcke, leichter Körperbekleidung und grossen aber nicht vollen Rucksäcken. Die Anfänger sind beladen wie die Kamele und haben manchmal auch noch einen Rucksack auf der Brust.
Klettverschlüssen müssen ab sofort verboten werden. Irgend jemand sucht immer etwas und macht diese grauseligen Geräusche. Auch Plastikbeutel müssten in Schlafsälen verboten werden, rascheln, knistern, stören - immer.
Wäre heute Morgen gerne in Astorga geblieben, aber vormittags ist hierfür keine Zeit. Bis 12.00 Uhr geht es ganz gut, aber danach wird die Sonne stechend und bis gut 15.00 Uhr kann man sich nicht übermässig anstrengen.
Bin in der Gemeindeherberge gelandet, sie ist in der Via Dauphine! Felssteinwände, Balkendecken für € 3,50 die Nacht.
Die Farers machen mir Sorge, Nina soll Joachim anrufen und mich zurückrufen. Peter ist mehr Schreibtischmörder, als Wachmann, wie will er Plünderer verscheuchen? Eher Gisela mit der Bratpfanne.
Werde gleich in den Ort gehen und ein paar Fotos machen, teilweise schöne Gebäude, keine 40 Häuser, 3 Kirchen, 2 Klöster, „kleine“ Dorfkirche mit fünf riesigen vergoldeten Altären und dass in diesem kleinen Ort. Was muss hier im Mittelalter los gewesen sein?
Erstaunlich viele junge Damen unterwegs. Wenn sie eintreffen, sind sie durchweg in deutlich besserer Verfassung als die männlichen Begleiter.
Belgisches Pilgerpaar getroffen, er ist ca. 70 - 75 und läuft am Tag 15 - 20 km. Sie begleitet ihn mit einem Wohnmobil. Er ist seit Puy in Frankreich unterwegs. Sicherlich das beste Mittel gegen Herzinfarkt.
Gerade zischt ein mindestens 75jähriger Radler vorbei. Habe die gleiche Steigung auf dem Hinweg sicherlich nicht so schnell geschafft.
Eingekauft, ein paar Sachen für Mittag und Abend € 18,00! Sitze im Garten/Hof der Alberge und esse ein Sandwich mit dem Schinken aus Saint-Jean-Pied-de-Port und der Wurst aus Logorno. Der Schinken ist bestimmt 500 km alt und die Wurst sicherlich 400 km. Noch essbar, mussten aber weg.
Hundemutter und junger Hund tollen herum. Beide mager, die Essensreste waren sofort weg.
Beim Casse Croute Portugiesen getroffen. Er ist bislang noch nie mehr als 1 km gelaufen, unmögliche Schuhe, schlimme Füsse. Er hatte sich vor einer Woche adhoc für die Wanderung nach Santiago entschlossen! Will nach Brasilien auswandern, im Nordosten Brasiliens einen Bauernhof gründen und Strausse züchten. Hat keine prak-tische Erfahrung in der Landwirtschaft. Seine Frau ist im 6ten Monat schwanger. Habe mich ausnahmsweise meines Kommentars enthalten, fiel allerdings schwer! Pilgerreisen machen offensichtlich geduldig.
Blick auf herrliches Panorama der umliegenden Berge.
Rückruf von Nina, die Farers bleiben wegen der Plünderungen im Haus.
Wanderschuhgalerie, wie immer beeindruckend, 95 % der Schuhe sind Mont Everest tauglich, für diese Pilgerwege viel zu schwer.
Die Gemeindeherberge ist angenehm, nur 22 Betten, bislang nur eine Dame, sonst sind sie in der Überzahl, direkt ungewohnt.
Christian angerufen, er ist unterwegs, fühlt sich besser, will es aber langsam angehen lassen.
Bis auf wenige blaue Reste ist der Himmel zu Wolken, Wolken geworden. Wind, Wind, Wind. Es weht sicherlich mit Windstärke 4 - 5. Hoffentlich kommt der Regen in der Nacht runter, sonst wird es morgen unangenehm.
Esse im Hof, meine Mitschläfer schleichen wie auf rohen Eiern herum....
Eigentlich ganz schön so ein ganzer Nachmittag an einem Ort, wenn man nicht weiter müsste und wollte. Wenn man soviel Zeit hat, wird der Tageseintrag länger.
Wenn alles gut geht, bin ich in 6 - 7 Tagen in Santiago.
Nebenan sind die Schafe in den Steinkral getrieben worden, wegen der vielen Wölfe in der Gegend. Der Wind hat mein Tagebuch vom Tisch geweht, kann nicht mehr draussen bleiben. Morgen wird es lustig!!!
Es ist 19.00 Uhr. Christian ist gerade vorgefahren. Pilger treffen sich immer wieder. Hatte Reifen- und Schlauch-probleme. Muss zurück nach León und zwei neue Reifen kaufen, hier gibt es nichts.
Was ist die gerechte Strafe für einen zweifachen Magnolienmörder?
Urteil:
Er wird dazu verurteilt seinem Sohn einen soliden Stahlrahmen mit Low-Ridern und Gepäckträger von Gilles Berthoud, Pont de Veaux, nach Mass anfertigen zu lassen.
Bei der Körpergrösse und dem Gewicht von Christian kommt nach den Erfahrungen des Gerichts nichts anderes in Frage.
Bin mit Christian essen gewesen. Sitze vor der Herberge, viel Wind, dieser ist mild geworden.
Es besucht mich ein RIESIGER Hund, bislang noch nie einen so grossen und lieben Hund gesehen. Grauweisses Fell, fast gelbe Augen. Der Käse hat ihm gut geschmeckt, war wie fast alle Hunde, die ich bislang gesehen habe, mager, kuschelte sich wie der „Kapitän“ an mich.
Samstag, 24. September 2005
Rabanal del Camino – Villafranca del Bierzo (24)
Cruz de Ferro 1530 m
Private Herberge
24. Tag
(Rabanal del Camino, El Acebo, Ponferrada, Cacabelos, Villafranca del Bierzo)
Kurz nach 8.00 Uhr los, es ist kühl, aber nach kurzer Zeit muss ich die Jacke ausziehen. 4,6 km in 1 ¼ Stunde, der Anstieg ist hart, mache Pausen, bislang noch nicht schieben müssen. Ein Paar aus UK klettert auf MTB´s wie junge Gämsen an mir vorbei und dass auf dem Camino und nicht auf der Strasse!!!
Gerade kommen 2 spanische Paare lustig schnatternd an mir vorbei, ebenso eine junge, englisch sprechende Dame.
Rabanal del Camino liegt auf 1160 m, das nächste Ziel der Cruz de Ferro auf 1530 m.
Schon wieder fliegt eine junge, spanisch sprechende Dame an mir vorbei.
Unerklärlich, wo sie die Kondition hernehmen.
Eindeutig: DOPINGSÜNDER.
Herbert Schütten, ein Radsport-Kollege und der ehemalige Trainer von Sturmvogel Mülheim, würde sicherlich sagen: Elimar, Du fährst zu dünne Gänge.
Trotzdem war ich bis zum Cruz de Ferro gut in Form, dass heisst, mit Pausen habe ich den Aufstieg bewältigt.
Es war richtig, früh morgens mit dem Aufstieg zu beginnen, am Nachmittag wäre es schwerer geworden. Die Abfahrt benötigt viel Aufmerksamkeit, es ging wieder um ca. 1.000 Höhenmeter runter.
Sitze in einem modern eingerichtetem Lokal gegenüber der Templerburg in Ponferrada. Es ist gegen 13.00 Uhr.
Joachim Farer meldet sich nicht – 2 x versucht.
Landschaft wunderschön, leider nur immer diese Stromleitungen und Masten, die die Landschaft zersägen.
In Ponferrada geht richtig die Post ab. Es wird gebaut und gebaut. Die Stadt ist eine ansprechende Mischung aus alt und Expansion.
Molinaseca machte einen gemütlichen Eindruck, bin weitergefahren, muss Kilometer machen.
Christian rief an, er hat zwei neue Reifen und Schläuche, macht das Rad fertig und wird am frühen Nachmittag folgen.
Obwohl er blond ist und weisse Haut hat, macht ihm die Hitze weniger als mir aus. Als Baby hätte er sich bestens als Reklame für Babypuder geeignet.
Es ist Weinlese, alle Winzer sind mit der gesamten Familie in den Weingärten, sobald der Anhänger voll ist, wird er zur nächsten Kelterei gefahren. Eigenen Wein machen nur die wenigsten Winzer. Landschaft wunder-schön.
Die Herberge in Componaraya ist zur Zeit geschlossen, Umbau. In der nächsten, in Cacabelos, werden Radfahrer erst nach 18.00 Uhr eingelassen. Pause gemacht, Spiegel gelesen und nach Villafranca de Bierzo gefahren.
Bin in der privaten Herberge gelandet. Wenn man zwei Container Müll wegräumt und gründlich aufräumt, könnte das etwas werden. Bin nicht glücklich über meine Wahl. Es ist nach 20.00 Uhr, Christian ist gerade schlapp angekommen.
Christian und ich wollen im Ort essen gehen, aber um 23.00 Uhr ist Torschluss und es ist schon 21.20 Uhr. Wird knapp, werden in der Herberge essen, Tortillas, Wein, Obst.
Vor Stunden hat mich die Unordentlichkeit noch gestört. Am späten Abend und nach einer guten Dosis Roten, entwickelt die Herberge ihren Charme.
Der Herbergsvater sitzt mir gegenüber, zerfurchtes Bergbauerngesicht. Um 21.30 Uhr kommt er zu seinem Abendbrot. Wir essen gemeinsam gute Tortillas, Tomaten und Reineclauden, alles aus eigenem Bioanbau. Er macht schon immer Bio, nicht erst seit Bio aufkam.
Um 23.00 Uhr schliesst er das Tor, lange Arbeitstage 365 mal im Jahr. Ab 06.00 gibt er Frühstück aus, € 0,50 das Teilchen, der Kaffee ist umsonst.
Franzose mit Schwiegersohn kennen gelernt. Er ist gestern 74 geworden, hat heute 97 km gemacht und noch 1 Stunde lang Astorga besichtigt. Kommen aus Montpellier, kein Gramm Fett, fit wie ein Turnschuh.
Vor mir die dunklen und bedrohlich aussehenden Berge. Der nächste Pass ist der schwierigste auf der ganzen Strecke. Werde es vermutlich, so wie heute machen, ranfahren und morgens, wenn ich noch frisch bin den Anstieg wagen.
Man hat mich, der Raum war durch ein grosses Schild so beschildert, im „Schnarcherzimmer“ untergebracht. Woher diese intimen Kenntnisse? Als ich dies gelesen hatte, habe ich meine Ohrenstöpsel ausgepackt. Danach gab es meinen Nachbarn links, zumindest akustisch, nicht mehr. Hoffentlich hat er auch Ohrenstöpsel.
Sonntag, 25. September 2005
Villafranca del Bierzo – Pedrafita do Cebreiro – 30 km (24)
Hostal
25. Tag
(Villafranca de Bierzo, Vega de Valcarce, Pedrafita do Cebreiro)
Bin seit 8.00 Uhr unterwegs, fast 11 km gemacht. Überhole immer noch Fusspilger, die in der gleichen Herberge übernachtet haben, müssen vor 6.00 Uhr losgetigert sein.
Wunderschöne Schluchtenlandschaft. Fluss links. Überhole auch bei km 16 immer noch Wanderpilger, müssen Mondscheinwanderer sein. Bedeckt, leichter Nieselregen. Es geht ständig bergauf, bis zum Pass auf 1335 m noch wenigstens 15 km. Bei 735 Höhenmetern bin ich heute gestartet, heute wird es viel härter als gestern. 22 km hinter mir, mache erst einmal eine Pause. Es nieselt leicht. Viele kleine Dörfer teilweise mit 1 - 2 aufwendig renovierten Häusern.
Es kommen gerade zwei spanische Radler an. Beide mit MTB´s und Anhängern. Hier in menschenleerer, fast auto-freier Gegend sicherlich ideal, aber bei Durchfahrten durch Städte kann ich es mir kaum vorstellen und wenn man mit dem Zug fahren muss, auch nicht.
Es beginnt zu donnern, der Nieselregen wird etwas intensiver. Innerhalb von 10 Minuten sind die Wolken deutlich tiefer ins Tal gesunken. Bereite Regenzeug vor. Es regnet durchgängig, habe mich unter einem Hausvordach untergestellt. Regen lässt nach, es gibt keine Alternative, weiter, mache Pausen, endlich hat der Regen aufgehört, noch max. 3 km bis Pedrafita do Cebreiro, dort werde ich erst einmal essen und weitersehen.
Bin im Hostal geblieben. Es reicht für heute. Habe mich die letzte ½ Stunde echt quälen müssen, Wetter ist regenverdächtig, grau, grau, grau und die Übernachtungsmöglichkeiten sind für Radler am Monte do Fedo O Cebreiro begrenzt. Kann auch einmal alle Wäsche in der Wanne waschen.
Es ging heute immer bergauf, teilweise heftig. Mit frischen Kräften kann ich morgen früh die letzen 285 Höhenmeter machen. Danach sind die „dicken Brocken“ hinter mir, aber flach wird es nicht mehr werden.
Meine Radsportkollegen wissen ja, wie ich selbst Hügelchen schätze. Hier habe ich reichlich davon. Bodo Müller müsste hier vielleicht erstmalig seine Schaltung betätigen.
Christian angerufen, er war im gleichen Hostal im Erdgeschoss, ich im Restaurant in der ersten Etage! Pilger treffen sich immer wieder. Haben eine Stunde geschwätzt. Er will weiter um heute noch Klaus zu treffen. Nina und Stephan sind schon weiter.
Trinke meinen Cognac aus (1/8 l – wie immer), wasche die Wäsche und haue mich in die Falle. Sehe noch Christian mit neuer Mütze den Berg herauf düsen. Spätestens in Santiago sehen wir uns wieder.
Am Morgen Telefon-Nr. von Freudenberg, Barcelona, im Internet gefunden. Werde morgen Raoul anrufen, ist Sonntag. Gerade Joachim erreicht, er ist nicht so gesprächig, aber den Eltern geht es gut, der Sturm ist glück-licherweise vorbei.
Die Sonne kommt wieder raus, als ich aus der Siesta aufwache, werde ein wenig in den Ort gehen und früh ins Bett.
Kleine Kneipe gefunden, das Abendessen fängt mit gutem Brot an, Vorspeise weisse Bohnen mit Tomaten und Muscheln als Suppe zubereitet, gut. Als Hauptgang Huhn mit Paprika. Die Flügel waren so gross wie Keulen. Auch der Hals wurde serviert, überraschend viel und gutes Fleisch dran. Muss ein XXXXL Huhn gewesen sein. Hauptgang wurde 2x angeboten. Nachtisch: selbst gemachter Kuchen. Ca. 6 cm hoher Blätterteig mit zwei unter-schiedlichen Füllungen.
Unterschiedlich, hier ist es sauber und extrem proper und da liegt seit Jahren der Bauschutt und der Müll. Bislang ist das auf der ganzen Reise in Spanien so zu sehen.
Salz und Pfeffer sind nie auf dem Tisch, aber immer Zahnstocher.
Habe soeben die Verpflegung für morgen eingekauft. Hatten Reineclauden so gross wie Gänseeier. 2 Stück ge-kauft.
Kam die Treppe im Hostal vorhin kaum hoch, 3. Stock und ich spüre die Beine.
Montag, 26. September 2005
Pedrafita do Cebreiro – Samos – 39 km (26 + 27)
O Cerbreiro Pass 1300 m, Alto do San Roque 1.270 m, Alto do Polo 1.335 m,
Kloster Samos
26. Tag
(Pedrafita o Cebreiro, Tricastela, Samos)
Bis um 7.00 Uhr geschlafen. 9 Stunden an einem Stück, plus 3 Stunden am Nachmittag, ist mir seit Menschen-gedenken nicht passiert. Um 7.30 Uhr aus dem Fenster geschaut, dunkle Nacht, dunkler Himmel. Keine Lust die kurze Radhose anzuziehen. Aber man ist getrieben, es soll ja heute die letzte harte Etappe werden, diese wird es auch.
2,63 km auf dem Tacho und 1 Stunde Fahrzeit! Heftigster Gegenwind, kalt 11 Grad. Am Puerto el Poyo Pause gemacht, Milchkaffee getrunken. Eine lange, lange Abfahrt bis Triacastela. Bin froh über die Magura Bremsen und das stabile Rad, es liegt wie ein Brett auf der Strasse, ja Gilles Berthoud, ist wirklich ein Könner. Die Abfahrt hat die Nerven ein wenig strapaziert, gute Entschuldigung in Triacastela zu Mittag zu essen, es ist 12.00 Uhr und 28 km wurden gefahren. Möchte heute noch bis Samos kommen. Soll schön sein, wenn ich gut drauf bin, auch weiter.
Es gibt dummerweise nirgendwo Nudelgerichte. Eine magere Katze streicht um den Tisch, wird mit Kalbfleisch gefüttert. Am Nachbartisch sitzt ein Mexikaner, der wir schon in Villafranca del Bierzo getroffen hatten, er ist zu Fuss!!! Pilger treffen sich immer wieder. Er will in Samos übernachten. Gegen 14.30 Uhr in Samos eingetroffen. Musste fast 2 Stunden warten, bis Fahrradpilger eingelassen wurden.
Plötzlich auftretende Schluckbeschwerden und die Nase fängt an zu laufen. Als ich in der Apotheke war, war die Nase plötzlich Ok, hatte wohl Angst vor den Medikamenten. Verschiedene Mittel gekauft. Vom Hospitalero abends mit Paracentamol versorgt worden, die Tabletten gegen die Schluckbeschwerden werden alle. Gesamte Kleidung angezogen, zittere. Wenn es morgen nicht besser wird muss ich zum Dorfarzt. Vorsichtshalber dreimal doppeltem Rum (spanische Dosierung) mit Tee getrunken.
Das Kloster ist mehr als beeindruckend. Viele Fotos gemacht, von der Führung habe ich nichts verstanden, auf spanisch. E-Mail der Farers erhalten und kurz geantwortet, war zu kaputt für eine ausführliche Antwort.
Zu 95 sind wir im einzigen Schlafsaal, es gibt nur einen einzigen Waschraum für Männlein und Weiblein, zum Glück gute Duschen, allerdings nur eine Handvoll. Keine Kopfkissen oder Decken.
Le Monde und Herald Tribune gekauft.
Um 20.30 Uhr liege ich mit Ohrenstöpseln im Bett, muss so viel Schlaf wie möglich bekommen, von alleine fährt das Rad nicht.
Um 22.30 Uhr werde ich geweckt, es sind zwei Ärzte unter den Pilgern, die der Herbergsvater an mein Bett gebeten hatte. Machen mir einen kalten Bauchwickel. Schlafe praktisch die ganze Nacht nicht. Starkes Fieber, Husten, Schnupfen.
Frühstück mit der jungen Dame von den Faroer Inseln, die im Bett über mir nicht geschlafen hat.
Dienstag, 27. September 2005
Samos – Sarria – 13 km (28)
Private Herberge
27. Tag
(Samos, Sarria)
Der Herbergsvater bietet mir an, noch eine Nacht in der Herberge zu bleiben, aber wenn man nicht gut drauf ist, sind Schlafsäle mit 95 Weib/Mann nicht so toll.
Habe ich das Gleiche wie Christian?
Mit dem Holländer gesprochen, der gestern mit mir auf Einlass gewartet hatte. Er ist mit seiner Frau in Eindhoven gestartet. Sie sind 4 Monate unterwegs. Sie zu Fuss, er mit dem Rad. Er habe so viel Zeit für Besichtigungen, da seine Frau ca. 20 km am Tag macht. Sehe seine Frau aus der Herberge kommen: sie ist stark gehbehindert!
Von meiner plötzlichen und heftigen Erkältung erzählt, er zieht vor Abfahrten immer eine Jacke an! Sollte ich so machen.
Zum Arzt, die Arztpraxis ist eine Gemeinschaftspraxis (staatlich?) wie damals in der DDR, mit Schwesternservice wie in Frankreich, Zahn- und praktischem Arzt. Alle Patienten kennen sich und schwätzen munter miteinander. Umfangreichen Cocktail von Antibiotika, Schmerzmitteln und was sonst nicht so alles verschrieben bekommen, brauche Tempotücher ohne Ende.
Erst gegen Mittag aus Samos abgefahren. Komfortabel in Sarria untergekommen, direkt auf der alten Pilgerstrasse. Schöne Herberge mit grossem Garten. Alle Wäsche gewaschen. Waschmaschine und Tümmler waren vorhanden, zum ersten Mal in Spanien. Nur Handwäsche reicht auf die Dauer nicht aus.
Hatte die Herberge gewählt, da sie Einzelzimmer haben soll. Diese Info stimmt nicht, habe die restlichen drei Betten in meinem Raum gemietet.
Lag um 20.00 Uhr im Bett, fürchterliche Nacht, Durchfall mehrmals, Husten, laufende Nase, fast eine Grosspackung Tempo verbraucht, praktisch nicht geschlafen. Wieder Durchfall, brauche dringend etwas gegen Schluckbeschwerden, brauche eine neue Grosspackung Tempos.
Beim Frühstück habe ich husten müssen. Das hätte ich besser nicht getan, plötzlich waren die unfreundlichen Blicke aller Mitpilger auf mich gerichtet, ich hatte sie wohl gut unterhalten.
Habe anschliessend festgestellt, dass in meinem Zimmer wohl ein Vorhang war, aber kein Fensterglas, nur eine grosse, offene Wandöffnung. Gut gedacht, aber mit dem Loch in der Wand hatte ich nicht gerechnet. Für den Preis von den 3 extra gebuchten Betten hätte ich in einer Pension mit eigenem Bad und WC wohnen können, niemanden gestört und mehr Komfort gehabt.
Mittwoch, 28. September 2005
Sarria – Ventas de Naron – 38 km (28)
Private Herberge
28. Tag
(Sarria, Pacios, Portomarín, Ventas de Narón)
Gefrühstückt gegen ¼ vor 9 Uhr ging es los. Immer noch Fieber.
Wollte mich zwei Französinnen anschliessen, die ich schon am Montes d´Oca getroffen hatte. Sie übernachten auch in der Herberge. Pilger treffen sich immer wieder. Aber sie kamen nicht aus den Sträuchern, bin alleine los.
Es ging lange, lange steigend hoch, ab und zu Abfahrten, aber immer wieder hoch, hoch. Zum Glück bedeckter Himmel und kaum Wind. Super Strassen, kaum Autoverkehr. Unterweges in einer Apotheke Medikamente gegen Schluckbeschwerden gekauft.
In der Dorfkneipe, extrem sauber und gepflegt, Café con Leche und Tortilla bestellt. Hier gab es eine ganze Pfanne voll und nicht nur, ein kleines Stück. Kann die Zwischenmalzeit gut gebrauchen, bin noch mehr als schlapp.
Die Preise für Medikamente sind in Spanien deutlich unter denen in Deutschland. Erstaunlich, sollten sich einmal unsere Politiker ansehen.
Hatte Orangensaft in den Camelbak befüllt, hat gut geschmeckt, aber jetzt lässt sich der Camelbak nicht mehr reinigen. Für Fruchtsäfte ungeeignet, hätte ich wissen müssen, aber wegen meiner Erkrankung wollte ich möglichst viele Vitamine trinken.
Unterwegs wurde ich von einem Radler angehalten und um Öl für die Kette gebeten. Werkzeug ausgepackt, habe ihm geholfen. Fuhr hinter ihm her. Er fuhr an der nächsten Tankstelle vorbei, ohne Öl zu kaufen, seine Kette hatte seit Jahren kein Öl gesehen und hätte mehr gebraucht, als ich abgeben konnte.
Die Landschaft erinnert an die Auvergne, dichter Wald, fast Urwald, viele Esskastanien.
Wieder Pause gemacht, die beiden Französinnen sind noch nicht vorbei, zum Glück habe ich nicht gewartet, sonst würde ich hinten herumhängen.
Meinen Vorrat an Unterhosen von 1 auf 2 erhöht, da sich die Odlo Unterhose langsam auflöst. Teuer und nicht haltbar. Die Nähte gehen auf und es gibt ständig Laufmaschen, werde ich nicht mehr kaufen. Teuer und Schrott.
Trage das Gonso Trikot mit den langen Ärmeln. Ärgere mich immer, wenn ich dieses Trikot trage. Der verdeckte Reissverschluss klemmt, man kann ihn mit einer Hand während des Fahrens nicht auf und zu machen, muss jedes Mal anhalten. Als Radsport-Bekleidung ungeeignet. Schrott, Schrott, Schrott. Ausserdem trocknet das Trikot deutlich schlechter als das Trikot von Odlo.
In Portomarin, auf der Brücke, die beiden Französinnen getroffen. Pilger treffen sich immer wieder. Sie machen in Portomarin Mittag, ich will weiter und habe ja schon vorher Pause gemacht. Der Stausee ist total ausgetrocknet.
Leider ist die weitere Strecke hügelig. Habe starke Kopfschmerzen, Sonne ist raus, milchiger Himmel. Mit Schweinen beladener Lastwagen kommt zweimal an mir vorbei, hatte sich wohl verfahren, so haben die Tiere noch ein wenig Aufschub.
Gerade kommt ein ganzer Pulk Rennradfahrer an mir vorbei, mit Begleitfahrzeug. So müssen Sie sich kaum anstrengen und nehmen den Pilgern abends die Schlafplätze in den Herbergen weg.
Bin in Ventas de Naron um 15.00 Uhr angekommen, komme nicht mehr weiter. Die Antibiotika stecken in den Knochen. Habe Fieber. Saubere private Herberge. Doppelzimmer genommen (€ 30,--). Das Bad ist für alle auf dem Flur.
Erstmal Rum mit Tee getrunken, geduscht, heute morgen gab es nur kalte Duschen und mit meiner Erkältung hatte ich keine Lust kalt zu duschen.
Werde den Herald Tribune lesen (in Samos gekauft) und Siesta machen. Anschliessend werde ich das Dörfchen besichtigen. Bin platt, Fieber.
Christian hat gerade angerufen, ist mit Klaus im Hotel in Santiago. Christian fliegt am Wochenende, sodass wir uns noch sehen werden. Liege mit Schüttelfrost im Bett, nehme um 19.00 Uhr meine Tablettensammlung. Abendessen, wie häufig spät, werde mich bis 21.00 Uhr hinlegen. Habe eine Fliege im Zimmer, sobald ich eingeschlafen bin, nervt sie mich im Gesicht.
Komme nach dem Spaziergang durch den Ort, noch eine andere Herberge, 3 Häuser, sehr schöne Kapelle, in die Gaststube. Glück gehabt, die Wirtstochter fragt mich, ob ich sofort essen möchte. Es gibt Salat, ein Fleischgericht, Nachtisch und natürlich Rotwein. Gutes Brot. Höfliche und zuvorkommende junge Dame, Tochter der Besitzer.
Im Lokal haben sie eine Bank mit Tisch, die man an die Wand klappen kann. Noch nie so gesehen, sinnvoll für die Reinigung, platz sparend und schön. Zusammengeklappt ist es eine geschlossene Holzwand. Hervorragende Schreinerarbeiten, wie häufig in Spanien, im gesamten Haus. Hier gibt es noch Dorftischler die Zeit und gute Ideen haben. Viele Massivholzarbeiten in Kastanie. Auch die Theke ist schön und solide aus massivem Holz angefertigt. Balkendecke, Steinwände wie in Saint-Malo.
Muss man noch mal hin, wenn man besser drauf ist. Der Ort ist ca. 2 - 3 km von der fast leeren Landstrasse entfernt – toten Stille.
Gehört zu einem grossen Bauernhof, der Mais anbaut. Der Bauer fährt einen dicken Benz, es geht ihm sicherlich nicht schlecht. Um die Herberge kümmern sich Frau und Tochter.
Für junge Leute ist das nichts, wie sieht die Gegend wohl in 30 Jahren aus?
In der Nachbarherberge sind die Radler untergebracht, die mich unterwegs überholten. Die Radler kommen aus Frankreich, der Begleitbus aus Slowenien, zwei Betreuer.
Strassen in dieser wirklich abgelegenen Gegend TOP. Natürlich mit den üblichen Dankesschildern an die EU. Den spanischen Strassenbauern hätte nichts Besseres passieren können. Auf der Strecke, die ich gefahren bin, wurden Strassen „ohne Ende“ gebaut. Manchmal versteht man nicht warum und warum parallel zur alten Strasse. Für Radler ideal, man hat oft super Radwege.
Beim Abendessen zwei nette Kanadier getroffen. Er hat im letzten Jahr seine Frau verloren, sie ist ca. 30 Jahre jünger. Haben sich unterwegs getroffen, wandern zusammen. Er möchte den Camino im nächsten Jahr vom Mont-Saint-Michel aus erwandern. Zugesagt, E-Mail gegeben, mal sehen, ob ich etwas höre. Er segelt auch, so hatten wir viel, auch maritimen, Gesprächsstoff.
Donnerstag, 29. September 2005
Ventas de Narón – Santiago de Compostella, 82 km
(29 + 30)
Hotel
29. Tag
(Ventas de Narón, Palas de Rei, Melide, Arzua, Santiago de Compostela)
Immer noch Fieber.
Um 7.50 Uhr konnte ich die Fliege endlich erlegen. Draussen ist der berüchtigte galizische Nebel, dicke, dicke Suppe.
Regelmässig kann ich Luft nachpumpen, man verliert recht viel, Einstein hat jedenfalls jeden Morgen zu tun. Fahre allerdings prallst aufgepumpte Reifen.
Die Fahrer der Lkws und alle die ständig beruflich unterwegs sind, sind in Spanien und in Frankreich wirklich rücksichtsvoll.
Jüngere PKW-Fahrer „zielen“ manchmal, zumindest habe ich den Eindruck, oder es fehlt ihnen an Ein-schätzungsvermögen, Radler richtig einzusortieren.
Wenn ich heute eine Schrottflinte gehabt hätte, hätte ich einen jungen Quadfahrer von seiner Maschine geholt. Beide Strassenseiten leer, leer, weit und breit kein anderes Fahrzeug, Strasse übersichtlich, fuhr er mir fast über das Vorderrad.
Habe heute öfter geschoben, alle wirklichen Pässe habe ich erradelt, wenn auch mit häufigen Pausen, bin nicht mehr motiviert und auch noch zu geschwächt, mich an nickeligen Steigungen kaputt zu machen.
Es ist 13.00 Uhr und habe 38 km gemacht. Bin um 9.00 Uhr losgefahren, wie fast immer. Bin ganz zufrieden, noch ca. 40 km bis Santiago.
Mache Pause in einem kleinen Café an einer Anhöhe. Geschäft und Kneipe in einem, werden von Vater und Sohn betrieben. Das Mittagessen holen sie aus der eigenen Küche aus dem Privathaus. Sie sind auf Gäste nicht eingestellt, aber gastfreundlich, bieten immer mehr an. Verständigung schlecht, da ich kein Spanisch spreche. Sie servieren guten Käse, schmeckt wie der Käse aus Georgien, gutes Brot.
Entweder gibt es in Spanien gutes Brot, häufig auf dem Land, oder irgendwelche Industriemischungen, die überhaupt nicht schmecken und schneeweiss sind.
Lese zum Mittagessen eine spanische Zeitung, lesen geht gut, den Inhalt verstehe ich fast immer. Ärzte dürfen in Spanien Reklame machen, sie tun es ausgiebigst!!!
Gerade kommen die Rennradfahrer vorbei, die im gleichen Ort übernachtet haben, haben sich viel Zeit gelassen.
Mache in Arzua nochmals eine Pause. Die gekauften Äpfel schmecken nicht, Dünger für eine Platane. Sitze in einem zugewachsenen Platz, es ist fast dunkel unter all den Blättern, angenehm. Bin noch 15 km von der Herberge entfernt, die Christian mir per SMS empfohlen hat. Danach sind es noch weitere 20 km bis Santiago.
Die neue Taschenorganisation, zwei grosse Taschen auf den Low-Ridern vorne, eine Lenkertasche und eine gerollte Liegematte auf dem Gepäckträger, hat sich bestens bewährt. Bergab bei über 50 km liegt das Rad wie ein Brett auf der Strasse, obwohl mir jedes Mal ein wenig Bange ist, eine Glasscherbe kann immer irgendwo liegen.
Bin Gilles Berthoud dankbar für dieses stabile Rad, obwohl ich bei jedem Anstieg gerne einige Kilo weniger hätte, aber das liegt vermutlich an meiner “Bergtechnik.“
Die Kondition ist mittlerweile echt gut, habe Oberschenkel wie Bomber Müller.
Bis auf das Auswechseln der Bremsklötze, das Nachstellen des vorderen Umwerfers und des Richtens des Schutz-bleches hatte ich bislang keinerlei Problem, auch keine Reifenpanne.
Habe den Ort Capilla de Santa Irene und damit die von Christian empfohlene Herberge verpasst, fahre durch nach Santiago.
An einer grossen Strassenkreuzung kommt mir einer der Radler aus der Rennradgruppe entgegen. Er hat seine Leute verloren, kannte kein Ziel, hatte kein Handy und wollte über die Autobahn fahren.
Wir sind teilweise von der Polizei, in einsamen Landesteilen, auf die Autobahn verwiesen worden, aber hier standen grosse Schilder, die Fahrräder ausdrücklich verboten. Er liess sich nicht beeindrucken.
Ich fuhr weiter, nach geraumer Zeit kam er den Berg, immer nur Berge, hinter mir hoch. Später sah ich die Gruppe, die an einer Kneipe auf den Nachzügler wartete, schlecht organisiert.
In Santiago war die Hotelsuche schwierig, bis ein freundlicher Spanier mich an die Hand nahm. Er hat selbst eine bescheidene Pension, die aber belegt war. Gut eine ¾ Stunde sind wir hin und her gelaufen erfolglos, dann ein sehr teures Hotel in der Nähe des Marktes gefunden.
Das Hotel ist in einem alten Jesuitenkloster, viel Atmosphäre. Viele alte Steinmauern, alter tiefer Brunnen, etc., etc. grosser schöner Garten. Mein Zimmer ist im Dachgeschoss, zur Strasse gelegen, leider laut.
Werde morgen in seine Pension wechseln. Sie liegt zentral fast direkt an der Kathedrale und da ich etwas bleiben möchte, wäre es hier, abgesehen davon, dass Morgen kein Zimmer mehr frei ist, viel zu teuer. Wäsche und mich gewaschen, werde im Hotel essen.
Die heutige Strecke war anstrengend, habe nicht wenig geschoben. Meine Erkältung und die vier Medikamente machen schlapp.
Aber Ende gut – Alles gut. Santiago ist erreicht.
Werde mir die Stadt ansehen und vielleicht weiter zum Cabo Finisterre fahren.
Im Fernsehen läuft BBC Worldservice, höre hin, aber irgendwie interessiert es weniger als sonst. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, müssten es ca. 1.500 km sein, ist aber egal.
Im Zimmer liegen englischsprachige Menüs aus, im Restaurant nur spanischsprachige. Da diese in der wolk-igen Sprache der gehobenen Restaurants verfasst sind, kann ich nichts damit anfangen, etwas seltsam in einem teuren Hotel, das nur von Touristen lebt. Auch die Bedienung spricht nur spanisch.
Esse Salat und Pulpo (gekochter Tintenfisch mit Cayenne Pfeffer). Der Tintenfisch ist lange nicht so gut wie in Sarria, macht einen müden, alten Eindruck. Teuer und schlecht, wie so viele Hotel Restaurants, aber ich war zu kaputt um noch auf die Suche zu gehen. Hätte ein Steak bestellen sollen. Wir sind nur sechs Gäste, der Laden läuft nicht. Sie sollten sich Mühe geben, ein Teil der Hotelgäste bleibt immer hängen.
Schade die Einrichtung ist sympathisch mit modernen Elementen, Steinwänden und historischen Grossfotos.
Es ist 05.00 Uhr und immer noch ist Halli-Galli in den Strassen. In der Nacht eine halbe Stunde Regen. Auf der ganzen Reise noch nie so laut, schlecht und teuer nicht geschlafen.
Freitag, 30. September 2005
Santiago (30)
Pension
30. Tag
Vom Hotel in die Pension des Spaniers von gestern Abend umgezogen, zentral ca. 500 m von der Kathedrale. Die Schwester ist nett, sie hat einen kleinen Laden mit Lebensmitteln, Souvenirs, etc., bei ihr eingekauft, Stadt-rundgang, Spiegel und FAZ gekauft, das Internet gescheckt. Schlucke meinen Medikamentencocktail.
Fahrradtransport geregelt. Das Rad wird von Santiago nach Eindhoven gebracht, wo ich es abholen kann, ist mir lieber als der Transport mit dem Flieger. Es gibt die unterschiedlichsten Informationen und Gerüchte über das Verpacken der Fahrräder, sodass ich lieber diesen Weg wähle, obwohl der Fahrradtransport per Flieger schon bezahlt ist.
Muss noch die Fahrt nach Madrid und die Unterkunft dort regeln.
Sonntag werde ich zum Cabo Finisterre radeln, dauert insgesamt ca. 4 Tage. Einen Teil meiner Sachen kann ich hier lassen, habe eine grosse Tasche gekauft, die ich auch für die Rückreise benutzen kann.
Christian hat angerufen, wir wollen uns um 20.00 Uhr vor der Kathedrale treffen.
Habe Heisshunger auf ein ordentliches Stück Fleisch.
Es ist nach 19.00 Uhr. Sitze in einem schönen alten Café gegenüber der Pension. Vor mir defilieren stolz die Pilger. Je hässlicher die Damenwelt, umso heftiger klammert sie sich an die männliche Begleitung.
An den Frisuren erkennt man sofort, welche der Damen gepilgert ist und welche hier wohnt: zerstört oder adrett.
Obwohl es für mich wirklich warm ist, sieht man viele Spanier mit dicken Wolljacken oder Pullovern.
Gelegentlich kommen Pilger vorbei, die eine Unterkunft suchen, um diese Zeit ist das schwierig, das habe ich ja gestern erlebt.
Klaus kommt vorbei, setzt sich zu mir, muss schnell Postkarten schreiben, da er morgen abfliegt. Pilger treffen sich immer wieder.
Wir (Christian, Klaus und das junge Paar, das ich in Hontas getroffen hatte) haben uns um 20.00 Uhr an der Kathedrale verabredet. Pilger treffen sich immer wieder. Hier ist der Meetingpoint der Pilger. Klaus und Christian reisen morgen ab.
Auf Empfehlung eines Spaniers gehen wir in ein Restaurant in San Clemente essen – bestes Essen auf der ganzen Reise!!! Gute Bedienung, sitzen auf der Terrasse, die Spanier sitzen drinnen, ist es ihnen vielleicht zu kalt?
Das junge Paar kommt aus Dresden, sie blond, verdammt gute Figur, studiert Medizin, er Informatik.
Lebhaftes Ambiente auf allen Strassen, es ist Wochenende, aber an allen Tagen, in denen ich in Santiago war, war es nie anders.
Samstag, 01. Oktober 2006
Santiago (31)
Pension
31. Tag
Trotz Ohrenstöpsel war die Nacht etwas leicht, aber was soll es, ich schlafe häufig schlecht. Gehe erst einmal ins Internetcafé und zum Busbahnhof. Fahrkarte gekauft € 36,00 Santiago – Madrid. Reisezeit von 10.00 Uhr bis 19.30 Uhr. Viel Reise fürs Geld. Ca. 1 ½ Stunde bis zum Busbahnhof, durch nicht von Touristen belagerte Strassen, gelaufen, war wirklich schön.
Auf dem Markt eingekauft, Feigen, gekochter Schinken, gutes Brot und Wein. Auf dem Zimmer gegessen, es ist 15.30 Uhr sehe mir die Stadt an.
Bin im Ortsteil St. Clemente gewesen. Dieser empfiehlt sich, nah, gute Restaurants, nicht diese Pilger- und Touristenhorden, viele Einheimische, angenehm.
Für die nächsten Reisen muss ich unbedingt den Guide de Routard kaufen! Aktuell und nicht so hochgestochen.
500 m unterhalb des Praza do Obradoiro (Kathedrale) noch freie Felder, Fotos gemacht, Feigen gemopst.
In St. Clemente in einem hyper/hyper modernem Lokal Café getrunken. Mit dieser Konsequenz habe ich noch nie eine Restauranteinrichtung gesehen, sollte in Architekturzeitschriften abgebildet werden. Es liegt direkt neben dem Restaurant, in dem wir gestern Abend waren.
Sitze wieder im Café „Casino“ gegenüber der Pension, die Decken sind riesig hoch, die Einrichtung stammt aus dem Jahr 1873. Kuchen gegessen, der Apfelkuchen taugt nichts. Ständig zuckt es, da Besucher die schöne Ein-richtung blitzend fotografieren. Ein gutaussehender Kellner kümmert sich insbesondere um die Weiblichkeit, fällt selbst mir auf, dürfe sein Trinkgeld deutlich erhöhen.
Ansonsten ein grauer Tag mit teilweisem Nieselregen. Für die nächsten Tage ist kein Regen angesagt, es kann also weitergehen. Werde versuchen einen Guide de Routard zu finden (hat nicht geklappt).
Es ist 17.00 Uhr und die Geschäfte machen langsam auf. Die Ladenöffnungszeiten sind ätzend. 10.00 oder 10.30 Uhr bis 12.30 oder 14.00 Uhr erst um 16.30 oder 17.00 Uhr geht es wieder weiter. Die grossen Ketten sind durch-gehend geöffnet, auch einzelne, wenige Einzelhandelsgeschäfte.
In dem von Christian empfohlenem Restaurant „Casa Manolo“ am Praza Cervantes, zu Abend gegessen. Menu: drei Gänge € 6,50. Essen korrekt, voll mit Pilgern und einigen wenigen Einheimischen.
Habe mich vor dem Eingang mit Louis aus Quebec unterhalten, essen zusammen. Er ist 61 Jahre alt und seit 11 Jahren pensioniert, war ein hoher Polizeibeamter in der Provinzregierung. Schwerstkranke Frau (unbekannte Krankheit), bei einem Unfall ein Kind verloren, eines schwerstbehindert. Hat 1 ½ Jahre für den Camino trainiert. Lief viel mit GPS und immer die schwierigsten Wege. Gut drauf, seine Durchschnittsgeschwindigkeit, in diesem schwierigen Gelände, betrug 6 km mit Gepäck. Ihm glaube ich diese hohe Geschwindigkeit.
Im Sommer arbeitet er nicht, im Winter als Parkettleger / Schreiner in seiner 1 Mann Firma. Hat sein eigenes Haus und das seiner zwei Kinder selbst aus Holz gebaut.
Ihm fehlte ein Tag für das Cabo Finisterre. Den Bus, den so viele Pilger benutzen, wollte er absolut nicht nehmen. Er hatte nur 2 - 3 ganz kleine Blasen, hat leichte aber hohe Schuhe, vorher gründlich eingelaufen. Er empfiehlt ein Rucksackgewicht von nicht mehr als 9 kg, mit Rucksack.
Wenn er nicht immer die schwierigsten Varianten gewählt hätte, hätte es noch zum Cabo Finisterre gereicht, muss zurück, bedauert nicht dort gewesen zu sein. Kommt nicht mehr nach Europa, der € Kurs ist für Kanadier zu ungünstig.
Louis berichtete von vielen Radfahrern mit Felgenbrüchen, Reifen- und Schlauchproblemen auf dem Camino. Ja, die Leute kaufen nach der Optik, obwohl Sie es manchmal eigentlich wirklich besser wissen sollten. Ein feiner Herr, schade, dass ich ihn nicht mehr treffen werde.
Anschliessend die beiden Französinnen getroffen. Pilger treffen sich immer wieder. Sie sind zwei Tage nach mir in Santiago eingetroffen und wurden von ihren Männern erwartet. Auch die Männer machen einen sportlichen Eindruck. Hatte den Eindruck, dass die Männer viel stolzer auf die Leistungen ihrer Frauen waren, als diese selbst.
Trotz Ohrenstöpsel höre ich die „Feierer“ bis gegen 04.00 Uhr. Insbesondere die hellen Damenlaute sind gut zu vernehmen. Die Granitstrassen und -häuser sind natürlich ein tolles Resonanzbecken. Ja, diese Studenten und diese Tagestouristen... die Pilger liegen seit Stunden sowieso tot in ihren Betten.
Sonntag, 02. Oktober 2005
Santiago – San Francisco (33 + 35)
Kloster
32. Tag
(Santiago de Compostela, Bertaminas, Noia, Muros, San Francisco)
Gegen 8.30 Uhr ging es los, erst zur Post um den x-ten Film abzuschicken. In der Hauptpost muss man die Briefe in Löwenmäuler werfen. Die Kanadierin aus Ventas de Naron getroffen. Pilger treffen sich immer wieder. Tasse Kaffee getrunken. Ihr Begleiter hat bei der Ankunft in Santiago einen Koller bekommen, ist sofort zum Flughafen gefahren, weg war er. War noch nicht einmal in der Stadt! Sie will vielleicht noch mit dem Bus zum Cabo Finisterre und weiter nach Paris.
Da es Sonntag ist, sind die Strassen leer, zumindest am frühen Morgen. Habe über lange Strecken 4 Spuren für mich alleine. Es kommen einige happige Anstiege, teilweise geschoben.
Es ist 11.00 Uhr habe gerade meine letzten Brote ge-gessen. In Noia werde ich zu Mittag essen. Einige Fotos gemacht, viel Eukalyptuswald.
In Noia eingekauft, mache ein Picknick an der ungepflegten Riopromenade. Auf dem Foto, das ich am Rio gemacht habe, sieht man gut die Windstärke und die Schaumkronen auf dem Meer.
Muss heute noch mindestens bis nach Muros. Bin bislang 37 km gefahren. Die letzte Abfahrt (8 %) war wegen des heftigen Windes besonders unangenehm. Viele, viele Kurven, mal kam der Wind von links, mal von rechts, mal von hinten, mal von vorne.
Es ist 13.30 Uhr zum Glück hat der Wind nachgelassen, wenn ich den die nächsten 33 km hätte, prost Malzeit. Mir wird kalt, muss weiter
Wenn ich als gelb/blauer Kanarienvogel an Gehöften vorbei fahre, bellen die Hunde immer heftig. Manchmal laufen sie ein Stück mit, nicht bedrohlich. Starke Kopfschmerzen.
Fahrt deutlich leichter, wunderschöne Ausblicke auf die Fjorde. Herberge in Muros nicht gefunden, in ein teures Hotel wollte ich nicht. Bin zu den Franziskanern nach San Francisco gefahren (Konvent von San Francisco de Louro ist der genaue Name). Um 18.30 Uhr soll ich mich wieder melden, Ruhezeit.
Bin zum Strand gefahren. Wunderschöner, heller, feiner Sand. Ein Surfer tummelt sich draussen mit seinem roten Segel. Niemand im Wasser. Ein VW-Bus aus Rosenheim, sonst nur eine Handvoll Spanier, keine anderen „Terroristen“.
Die Saisonhotels haben geschlossen. Sitze in einem Lokal mit Blick aufs Meer, muss noch eine Stunde totschlagen, bis ich ins Kloster kann, draussen wurde es mir zu windig.
Esse vorsichtshalber eine Kleinigkeit, weis nicht, was es oder ob es im Kloster zu essen gibt.
Nach den beiden unruhigen Nächten in Santiago wird es heute Nacht sicherlich mehr als ruhig. Ich höre schon die Kommentare der Familie: Typisch, wie immer, von einem Extrem ins andere.
Starke Strömung auf dem Meer. Ein zweiter Surfer ist draussen, er hat ein weisses Segel. Der Wind ist böig, hoffentlich bläst er morgen aus der richtigen Richtung.
Nach einem Bier, drei Glas Wein, einer guten Portion Tintenfischen und einem Eis bin ich reif fürs Kloster. Auch keine Abendmahlzeit würde mich noch schocken können. Eine eiserne Reserve von zwei Tafeln Schokolade habe ich noch, es kann nichts passieren.
Bei meiner Ankunft wies man mich unmissverständlich daraufhin, dass man bezahlen müsse € 17,-- für das Zimmer, umgebaute Mönchzelle, mit Halbwannenbad, WC, danach war ich willkommen.
Bin der einzige Gast, aber das habe ich erst beim Abendessen festgestellt. Stilvolle Unterbringung des Rades in der Eingangshalle. Habe trotzdem, wie immer, alles abgeschlossen, man weis ja nie wer da ist und wer nach mir kommt. Steht einem Berthoud ja auch zu, dass man gut darauf aufpasst.
Der Herr, der mich um 18.30 Uhr empfing, war kein Mönch sondern ein weltlicher Mitarbeiter. Wie in St. Palais zeigte er mir das ganze Kloster und erklärte und erklärte, leider auf spanisch. Er gab mir einen Klosterführer in deutscher Sprache, in dem ich vieles nachlesen konnte.
Fredo, an den ich während dieser Reise häufig denken musste, hätte sicherlich seine Freude an den gelehrten Ausführungen gehabt.
Bin auf dieser Reise zum 2ten Mal in einem Franziskaner Kloster. Im ersten gab es zwei Mönche und es wurde Ende September geschlossen, hier in San Francisco gibt es nur einen Mönch. Er soll ein bedeutender Botaniker sein, der Klostergarten strotzte nur so von seltenen Pflanzen. Es wurde mir alles erklärt, aber ich bin kein grosser Botaniker vor dem Herrn.
Der Herr, der mich herumführte hiess Umberto, als ich ihm meinen Vornamen nannte (in Klöstern redet man sich mit dem Vornamen und nur halblaut an) gab es sofort, wie bislang in allen Klöstern das grosse Nachdenken, ob dieses sonderbaren Namens (was will ausgerechnet dieser Jude bei uns???), aber auch eine gewisse Verwunderung.
Wie sagte Serge in Paris, selbst Jude, so treffend: Dein Name ist so jüdisch, dass sich kein Jude trauen würde seinen Sohn so zu taufen.
Kleines Kloster, winzig im Vergleich zu Samos. Grosses Aussengelände, von einer Mauer umgeben. Ein Teil davon ist ein 3*** Campingplatz, der Anfang Oktober schon geschlossen war.
Die Klostermauern sind fast 4 Meter hoch, selten so hohe Mauern gesehen. Die Hortensien vor meinem Fenster sind bestimmt 3 m hoch, noch nie gesehen.
Abendessen gibt es um 21.30 Uhr = € 10,00, Frühstück um 10.00 Uhr = € 3,00. Zum Glück habe ich im Ort schon die Tintenfische gegessen, sonst wäre es lang geworden.
Richtig gute Tapas habe ich zum letzten Mal in Burgos gegessen, seit dem nicht mehr. Brote mit allen möglichen Belägen, aber die echten Tapas gab es nicht in den Lokalen, die ich besuchte. Vermisse sie irgendwie.
So, werde ich mich in meine Galauniform schmeissen: Hose schwarz, da im Kloster, diesmal mit langen Hosen-beinen, Pullover natürlich in blau, ein T-Shirt sowie die Hirschleder Mocasins, super bequem, leider ein wenig schwer. Wenn man mit dem Rad unterwegs ist, zählt das Gewicht.
Wenn man die T-Shirts ordentlich rollt spart man das, sowieso nicht mögliche, Bügeln.
Hatte beim Rundgang den Klosterhund gestreichelt. Er folgt mir jetzt ständig, bräuchte dringend ein Bad und eine Wurmkur.
Unbeschreibliche Ruhe und Friedfertigkeit.
Bin beim Essen der einzige Gast. Um mich herum bestimmt 100 leere Stühle. Riesen Terrine mit guter Suppe, reicht für ein Dutzend Gäste, anschliessend gab es Fisch, gekochte Eier, Salzkartoffel mit frisch geschnitten Zwiebeln, Obstnachtisch sowie eine Flasche galizischen Roten.
Der galizische Wein hat einen eigenartigen, fremden, schlecht beschreibbaren Geschmack, an den man sich erst gewöhnen muss.
Dies ist mir trotz nachhaltigster und intensivster Bemühungen während dieser Reise leider nicht gelungen.
Draussen stürmt es heftig, kann es in der Dunkelheit nicht sehen, aber um so deutlicher hören, obwohl das Fenster und die hölzernen Blendläden geschlossen sind. Nicht so schön, beim Radfahren kommt der Wind immer von vorne. Hoffentlich hat sich der Sturm bis morgen gelegt.
Muss häufiger an manche Freunde denken, andere fehlen überhaupt nicht, gut das man sich getrennt hat. Was für eine Zeitverschwendung in den letzten 35 Jahren. Fühle mich emotional betrogen, in einem Fall nicht nur emotional.
Das Leben ist zu kurz, man sollte seine Zeit nicht mit Menschen, Arbeitgebern aus dem ehemaligen Freundes-kreis, minderwertigen Charakters vergeuden.
Es ist 04.00 Uhr, habe 6 Stunden störungsfrei geschlafen.
Mein Zimmer ist eine ehemalige Mönchszelle. Ca. 13/14 m2, Toilette, Halbbadewanne, Waschbecken, WC, Einbau-schrank. Grosse Fensternische mit zwei steinernen Sitzen, keine Heizung.
Bis um 09.00 Uhr geschlafen.
Ich fürchte ich muss ins Kloster, schlafe nirgends so gut.
Zum Glück herrscht Windstille.
Muss oft an Louis denken und an seinen fehlenden Tag, die besonders schweren Etappen, die er sich auferlegt hatte und dann hat es nicht mehr gereicht. Liest sich so leicht, aber er war wirklich extrem betroffen und enttäuscht. Es war eine Walfahrt um Beistand für seine Frau zu erbitten.
Louis lehnte die Busfahrt ab, viele Pilger sind nicht so streng, fahren Teilstrecken und mehr mit dem Bus.
Die Compostela bekommt man, wenn man mindestens 300 km gepilgert ist. Wer kann schon Monate unterwegs sein? Aus diesem Grunde ist das Fahrrad für Radler das ideale Fortbewegungsmittel. Man sieht viel, kommt noch in einem akzeptablen Zeitrahmen ans Ziel.
Dieses Kloster ist klein im Vergleich zu Samos. Es ist das einzige Kloster, das ich auf meiner Reise kennen gelernt habe, dass sich aktiv der Gegenwart öffnet. Badeurlaub mit Vollpension im Kloster, 150 m zum Meer, das hat schon viel, viel für sich.
Hier ist es möglich und erholsam. Sicherlich gesünder für Leib und Seele als alle Chici-Micki-Urlaube. So modern kann ein Kloster sein.
In Samos und ebenfalls in Villava wohnen die Pilger in einem grossen Raum, der nur von der Strasse aus zugänglich ist. Das eigentliche Kloster ist nur bei Führungen für € 2,00 betretbar. Allerdings nur ein kleiner Teil, der andere ist durch Glastüren verschlossen. Hier in San Francisco steht ein kleines Schild: Durchgang verboten, es reicht auch aus.
Frühstück gibt es ab 10.00 Uhr. Von 00.00 bis 09.00 Uhr herrscht „Silencium Maximum“, so steht es gross an der „Rezeption“.
Schätze zum Mittagessen am Cabo Finisterre zu sein, es sind ca. 40 km. Es gibt dort eine Pilgerherberge. Mal sehen, wie ich mich fühle und wie die Herberge aussieht. Die Kopfschmerzen sind zum Glück weg.
Dies ist eine körperlich anstrengende Reise, aber auch eine Reise zu der man mental bereit sein muss.
Kann nur raten diese Reise zu Fuss oder mit dem Rad zu machen. Auf jeden Fall sollte es eine längere Reise sein, ein Kurztrip reicht nicht….
Nachstehend ein Auszug (ohne den geschichtlichen Teil und der Beschreibung der Neuaufforstung von 50.000 m2) aus einer wirklich lesenswerten Beschreibung des Konvents von San Francisco de Louro:
Der Konvent von San Francisco de Louro
Ein Ort des Friedens
Situation, Geschichte, Ausblicke
So wie die Menschen, besitzen auch die eng mit Ihnen verbundenen weltlichen Bauten ein eigenes Curriculum. Auf den folgenden Seiten finden Sie eine Reihe von Informationen über die Lage des Klosters, seinen Ur-sprung, die mit ihm verbundenen Ereignisse sowie die augenblickliche Situation und die Perspektiven dieses attraktiven Gesamtkomplexes, der als „Konvent von San Francisco de Louro“ bekannt ist.
Lage und Beschreibung
Der von einer Mauer umgebene Bezirk misst 75500 m2 und erstreckt sich in einem kleinen Tal, das im Nordosten durch den Bergabhang des Monte Oroso begrenzt wird. Das Tal öffnet sich auf die Mündung der Ria von Muros und Noia und das Kloster ist hier nur 150 m von der Playa de San Franciso und der Landstrasse Muros – Finisterre entfernt. Innerhalb der Mauern liegen die Gebäude des Konvents mit Kloster, Kirche und Hostal; weiterhin das Campinggelände mit zwei Gebäuden, der Getreidespeicher, die Kapelle des Beato Arias, eine Mühle (in Restauration), der Turm, die metrologische Station (seit 1982), der Garten mit Gemüsekulturen und Obstbäumen, die Quellbrunnen von Santa Rosa und San Antonio, Reste von Petroglyphen und der kürzlich wieder aufgeforstete Wald. Ein kleiner Bach durchfliesst das Anwesen, grössten- teils unterirdisch, von Norden nach Süden.
Noch ausserhalb der Mauer führt ein monumentaler Kreuzweg (1878) mit Ausblicken auf das Meer den Berg-hang hinauf: 14 Säulen im Zickzack, mit den Stationen des Leidensweges, dargestellt auf Terracottatafeln, auf einem Kalvarienberg mit weiter Panoramasicht aufs Meer und die Halbinsel Barbanza.
Gegenwart und Zukunft
Während der achtziger Jahre verstärkte sich das Touristenaufkommen an der Ria Muros-Noia, der nördlichsten der Rias Bajas. Der Superior, P. Leonardo Diaz öffnete, mit Unterstützung und in Zusammenarbeit mit P. Humberto Castro, nach einem aufwendigen Umbau den Konvent für den Tourismus (1983) mit einer Qualifikation als Hostal:
25 Einzel- und Doppelzimmer, mit allen sanitären Einrichtungen und dem Angebot der Vollpension.
Die Nähe des Strandes, das einmalige und stille Umfeld, der familiäre Empfang und Umgang, tadellose Sauberkeit und schmackhafte Speisen, begründeten eine wirksame Werbung, die bald eine umfangreiche Nachfrage nach Zimmern, von allem in der Sommersaison entstehen liess.
Im Verlauf der inzwischen vergangenen 20 Jahre wurden zahlreiche Verbesserungen der Installation, der Ein-richtung, im Kommunikationsbereich und im Service vor-genommen. Das Hostal benötigt eine umfangreiche Neuge-staltung, die für das Jahr AD 2006 vorgesehen ist.
Camping San Francisco
Am Eingang des gleichen, mit einer Mauer umgebenen Bezirks gelegen, umfasst der Campingplatz 13.000 m2, aufgeteilt in einhundert Parzellen mit einer Kapazität von 250 Plätzen. Die Öffnungszeit ist von Juni bis September. Der Platz wurde 1993 in der Kategorie der 1. Klasse eröffnet.
Dieses Kloster war die angenehmste und erholsamste Unterkunft auf der Reise und ist eine Reise wert.
Weitere Klöster mit Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe des Jakobsweg:
Benediktinerkloster Leyre bei Yesa (Navarra)
Tel. 00 34 – 948 88 41 00
Zisterzienserkloster La Oliva bei Carcastillo (Navarra)
ocslaoliva@planafa.es
Tel. 00 34 – 948 72 50 06
Zisterzienserkloster San Salvador bei Canas (La Rioja)
Tel. 00 34 – 941 37 90 83
Benediktinerkloster Silos bei Santo Domingo de Silos (Burgos)
Tel. 00 34 – 947 39 00 49
Zisterzienserkloster Las Huelgas Reales bei Las Huelgas (Burgos)
Tel. 00 34 – 947 20 60 45 und
Tel. 00 34 – 947 20 16 30
Dominikanerkloster San Pedro bei San Pedro de Cardena (Kastilien-Leon)
Tel. 00 34 – 947 29 00 33
Benediktinerkloster San Xulian bei Samos (Galicien)
Tel. 00 34 – 982 54 60 46
Siehe auch:
und
Montag, 03. Oktober 2005
San Francisco – Cabo Finisterre, 60 km (34 + 36)
Hostal
33. Tag
(San Francisco, Lira, O Pindo, Cee, Corbuion, Fisterra, Cabo Finisterre)
Ich hatte mich zu früh gefreut. Der Wind ist da, teilweise so heftig, dass ich überlege zu schieben. In 1 ½ Stunden nur 13 km geschafft. Diffuses Licht, wir haben eine Sonnenfinsternis.
Gegen Mittag flaut der Wind ab. Picknick in Meeresnähe. Eine Stunde später, an einem herrlichen Sandstrand nochmals eine Pause eingelegt, im Meer gelaufen.
Gegen 16.30 Uhr war ich in Finisterre. Um 17.00 Uhr öffnet die Herberge. Wurde nicht eingelassen, weil angeblich meine Papiere nicht in Ordnung waren.
Oben am Cabo Finisterre hat mich ein Italiener angesprochen und ausrichten lassen, dass sich die Empfangs-dame der Herberge geirrt hätte. Aber da war ich schon im Hostal € 20,-- mit Bad, WC.
Das Cabo Finisterre ist wirklich beeindruckend. Superblick, viele, viele Fotos gemacht. Zum Glück gutes Wetter, beindruckende Strömung.
Ich kann dies schlecht in Worte fassen, aber die Pilgerreise nach Santiago de Compostela wäre ohne die Reise zum Cabo Finisterre unvollständig.
Die Reise von Santiago zum Cabo war der mit Abstand schönste Teil der gesamten Reise. Obwohl ich Teile der Bretagne recht gut kenne (dort gibt es auch ein Cap Finistere) und mich dort gerne in einsameren Gegenden aufhalte, hat dies eine ganz andere Dimension, diese Weite, dieses Licht, diese Fjorde, diese einfachen Menschen, diese hügelige Landschaft….
Wetter nach wie vor blendend, nur morgens ist es recht kühl, sodass ich meine Fahrradjacke bis ca. 12.00 Uhr anziehe. Auf dem Rückweg vom Cabo natürlich direkt in den Hafen. Leider nur ein Segelboot, Rest Fischer. Grosse Fangkörbe für Meeresfrüchte. Immens hohe Hafenmauer. Im Winter oder bei schlechtem Wetter muss es hier voll zur Sache gehen.
Kleine Hafenkneipe gefunden, nur Spanier, viele Fischer, habe die länglichen Muscheln bestellt Najranes? und eine Flasche Weissen.
Blick auf den Hafen, ein lauter Fernseher links hinter mir. Ich versuche mich immer so zu setzen, dass der Fernseher hinter mir ist, so brauche ich ihn zumindest nicht zu sehen. Immer und überall laufen Fernseher.
Ein Grossvater fährt stolz seinem Enkel im Kinderwagen spazieren, alle Bekannten und Freunde müssen, sicherlich zum x-ten Mal, das Kind bewundern.
Die Muscheln sind ausgezeichnet. Leider teuer € 9,00 die Portion. Trotzdem noch eine Portion bestellt, man ist nicht so oft am Ende der Welt und am Endpunkt dieser Reise.
Alle Spanier gucken zum Hafen, also alle ausser mir, allerdings nun auch ich. Ein Kollege legt an. Anlegemanöver werden immer und überall kritisch beobachtet. So werde auch ich kritisiert, wenn ich mal wieder ein schlechtes Manöver fahre.
Im Hostal E-Mails gelesen, Olivier beglückwünschte mich zu meiner Expedition. Vielleicht ein wenig übertrieben, aber es war schon eine gewisse Herausforderung.
Nur wenige Radler in meinem Alter gesehen. Die meisten sind recht jung und fast immer auf bunten MTB´s unter-wegs. Die älteren Radler kamen häufig mit Frau aus Holland. Waren fast immer in Holland gestartet. Meistens gut ausgerüstet. Viele Koga Migata - Räder.
Vom Zimmer aus Superblick auf den Hafen und die gegenüber liegende Bergkette.
Lese in „Spanien per Rad“ von Andreas Drouve. Die Etappen von Santiago de Compostela zum Cabo Finisterre, muss er im Hubschrauber geflogen sein. Werde ihm einen Brief nach der Reise schreiben.
Überhaupt sind sowohl das Buch von Drouve, Kettler Verlag, als auch das Bikeline Buch, Esterbauer Verlag, nur mit Vorsicht zu geniessen. Man sollte immer mit der Autokarte (ich habe die Michelinkarte 1 - 400.000 benutzt) selber planen und die Vorschläge aus den Büchern sorgfältig überprüfen, den eigenen Vorstellungen und den aktuellen Strassenverhältnissen anpassen.
Insbesondere bei Bikeline sind die Streckenvorschläge teilweise nicht nachvollziehbar. Ausserdem sind alle Bücher veraltet. Die Strassenverhältnisse haben sich zwischenzeitlich, insbesondere durch die intensive Strassenbautätigkeit geändert.
Die Übernachtungsvorschläge sind in beiden Führern überholt.
Von einem Radreiseführer erwarte ich, dass er aktuell und weitestgehend präzise ist.
Hatte beide Verlage gefragt, ob Sie gegen Spesen an einer Aktualisierung interessiert seien: Antwort war beidesmal nein.
Später am Abend in einer zweiten Fischerkneipe – wieder nur Spanier. Besserer Blick auf den Hafen und das Meer, die Kneipe ist in der ersten Etage. Muss noch etwas essen, die Najranes sind zwar gut, aber die Portionen sind klein und sättigen nicht, sie sind zu teuer um sich daran satt zu essen.
Der obligatorische Wein wird hier in dicken Porzellantassen serviert. Aufmerksamer Wirt, Abendsonne versinkt hinter den Bergketten, Hafen, Meer, romantisch, schade, dass ich alleine bin.
Werde meine starke Erkältung immer noch nicht los. Manchmal kommt der Hustenanfall wirklich im falschen Moment. Habe Schwielen an den Händen.
Auch hier im Lokal keine Touristen, obwohl der Ort voll von ihnen ist. Es ist keine 500 m von den Nepplokalen entfernt. Pulpo bestellt. Ausgezeichnet. Natürlich auch hier der un-vermeidliche Fernseher.
Immer noch kommen kleine Fischerboote in den Hafen, kaum einen jungen Fischer gesehen.
An der Leibesfülle kann man schon auf Entfernung das Alter ablesen, Peter und Miro sind da offensichtlich die Ausnahmen.
Hinter mir steht jemand auf, der das Anlegemanöver oder die Ankunft eines Bekannten oder Freundes besser beobachten will.
Wenig passiert in einem Hafen unbemerkt, man wird immer beobachtet, beurteilt, natürlich wird jedes Manöver heimlich kritisiert.
Jeder kennt sich hier, jeder wird angefrozzelt. Unter dem unvermeidlichen Fernseher steht noch ein weiterer: offensichtlich die Reserve!
Blaufahles, sonderbares Licht, ob es durch die Sonnenfinsternis beeinflusst ist, weis ich nicht, unbekannt.
Immer noch laufen kleine Boote in den Hafen ein.
Extrem diffuses Licht, schade dass Nina und Elimarchen nicht da sind. Kenne solches Licht nicht. Wenn ich die Zeitung richtig verstanden habe, ist dies seit 1777 nicht geschehen.
Olivier angerufen auch mit Catherine gesprochen. Habe den Eindruck, dass längere Landreisen für beide nicht in Frage kommen.
Die Beine brennen, haben wohl zuviel Sonne abbekommen.
Dienstag, 04. Oktober 2005
Cabo Finisterre – Muros – 60km (36 + 37)
Pension
34. Tag
(Rückweg bis Santiago de Compostela genau wie Hinweg)
Kein Hauch Wind, die Windmühlen stehen still, Sonne, diffuses Morgenlicht. Schön. Es wird in den Städten und Orten, in denen die Menschen Arbeit finden, viel gebaut. Viele angefangene und seit Jahren nicht weiter gebaute Skelette.
Um 09.00 Uhr waren es 13 Grad, vor einer Stunde 20 Grad nun sind es 30 Grad.
Beim Autoservicio Rita für das Picknick eingekauft, gegenüber dem Brunnen gegessen. In O Pindo ist der Brunnen beliebt, bestimmt schon ein Dutzend „Wasserholer“ waren am Brunnen. Schäferhund, ein schwarzer Cocker und ein paar Katzen streichen herum. Viele alte Menschen, viele Frauen in schwarz. Bislang mindestens 6 Cafés in diesem kleinen Ort gezählt, Kundschaft nur Männer.
Um 13.00 Uhr 39 Grad!
Bin in einem kleinen Hafen direkt hinter O Pindo in Richtung Muros. Erinnert an Chausey. Glasklares Wasser. Gemächlich dahin rudernde Fischer in kleinen Holzbooten, kaum Wind, etliche Windräder drehen sich nicht.
Ein Fischer kommt an, er rudert im Stehen in Blickrichtung. Der Anker ist ein mit Beton gefülltes 100er Rohr mit 4 Moniereisen. Motor und Tank werden in eine kleine Hütte gebracht. Auch der Rest wird ausgepackt und in der Hütte verstaut. Er hat mit einer langen Leine wie in der Bretagne gefischt. Ein zweiter und ein dritter Fischer kommen herein, diese aber unter Motor.
In Muros angekommen. Habe ein Zimmer mit Seeblick, ein riesiges Badezimmer mit Halbwanne. Die Wanne ist auf einem Podest aufgebaut. Hocke darin wie der Affe auf dem Schleifstein, schöner Blick von hier aus aufs Meer. Viel Sonne heute, Gesicht brennt. Das Rad steht sicher im grossen Badezimmer, auf der 2ten Etage. Im Vergleich mit meinen bisherigen Unterkünften ist diese vom Platzangebot die grosszügigste. Mini, mini Galle-Face Hotel.
Wollte 4 Filme aufgeben, Post schon geschlossen. Von Ort zu Ort andere Öffnungszeiten.
Bin zum Abendessen in einem Lokal mit maritimem Flair, direkt am Hafen gelegen.
Zum Glück kann man hier ab 19.30 Uhr essen. Vom Tresen hat man einen schönen Blick auf den Hafen. Die Boote werden mit dem Bug zum Kai, aber in ca. 3 m Entfernung festgemacht. Am Heck vermutlich an Mooringsketten. Leider kein Anlegemanöver beobachten können. Der Hafen wird erweitert.
Werde wieder diese Najranes essen und anschliessend eine Seezunge mit Salat, auf einem extra Teller.
Lebhafter Verkehr. Es wird viel gebummelt, zum Essen ist es für die Spanier noch viel zu früh. Vor dem Fenster stehen Tische auf dem Bürgersteig, es wird geschwätzt, mit den Händen gestikuliert.
Ständig entdecke ich maritime Ausrüstungsgegenstände die ich vorher noch nicht bemerkt hatte. Wirklich gut gemacht, ohne künstlich oder überladen zu wirken.
Fredo hatte öfters von den Najranes gesprochen und wie schwierig es ist, diese von den Felsen zu ernten.
Alles was ich an Fisch in den Auslagen der Restaurants in Santiago gesehen hatte, war nicht frisch, selbst auf dem Markt waren ein Teil der Meeresfrüchte schon tot, allerdings ungekocht. Trotzdem wurde lustig eingekauft. Wie in Saint-Malo, insbesondere die Einheimischen haben häufig keine Ahnung.
Auffallend sind, insbesondere bei der Damenwelt, häufig schlechte Zahnstellungen. Sie sehen gut aus, bis sie sprechen ... Ein Zeichen dafür, dass es eine arme Gegend ist.
Auf den Strassen sieht man viele Spanier die kilometerweit laufen, Stock in der Hand. Alte Frauen oft mit einem Bündel auf dem Kopf, wie in Afrika. Offensichtlich herrscht noch teilweise nicht der Wohlstand vor, der wir kennen. Manchmal einfachste Häuser gesehen.
Gerade wird wieder ein Baby zur Besichtigung spazieren gefahren, um 20.30 Uhr, aber in Spanien gehen die Uhren anders als in Deutschland. Die Anteilnahme / der Neid (?) ist offensichtlich gross.
Werde noch ein Stück Santiago de Compostela Kuchen essen und mir mit einem 1/8 l Cognac den Todesschuss für heute geben.
Laut H. Drouve ist dies eine Flachetappe. Der Tacho ist ausgefallen, aber von 09.00 bis 18.00 Uhr, bis vielleicht auf 1 ½ Stunden Mittagspause, sass ich die ganze Zeit auf dem Rad beziehungsweise musste auf dieser „Flachstrecke“ schieben.
Alle wichtigen Pässe habe ich bis zu meiner Erkrankung in Samos pedalierend geschafft, aber mit der Erkältung in den Knochen, sehe ich nicht ein, mich aus Ergeiz kaputt zu machen.
Gegenüber führen junge Mädchen von vielleicht 14 - 15 Jahren, auffällig Zigaretten paffend, auf langen Beinen, Aktentaschen durch die Gegend. Was macht man um 21.30 Uhr mit bunten Aktentaschen auf der Promenade? Irgendwie habe ich wohl die Mode verpasst.
Lebhafter Fussgängerverkehr. So, heute Abend wird noch genossen, morgen Abend ist das dreigängige, gute Pilger-menü im „Casa Manolo“ angesagt. Das Essen kostet € 6,50, die Flasche Wein € 3,50.
Die Übernachtungskosten in Santiago sind relativ teuer. Hier zahle ich € 30,00 für ein Super Zimmer mit Riesenbad, Balkon, Blick aufs Meer. In Santiago: Etagenbad, kleines Zimmer, extrem laut € 25,00. Aber nachdem der Besitzer mich am ersten Abend so fürsorglich betreut hatte, konnte ich nicht anders: Geben und Nehmen.
Schade, dass KK nicht ein wenig radsportlicher ist. Die Reise hätte ihm tierisches Vergnügen bereitet. Ständig andere Menschen und Situationen, ständig andere Sprachen, es hätte ihm gefallen. Hatte versucht ihn ein wenig unter Druck zu setzen, aber er ist nicht angesprungen, leider, leider.
Viel schlanker bin ich nicht geworden, die Schultern haben ordentlich zugenommen, habe Oberschenkel und Waden wie Bomber Müller.
Der Santiagokuchen, besser gesagt der Puderzucker darauf, hat mein einziges Ausgehhemd, das ich auf diesem Abstecher mit habe, deutlich verziert. Ich hätte ein anderes Muster gewählt.
Es ist 21.30 Uhr durch, noch kein Spanier im Restaurant. In 10 Minuten liege ich flach und schlafe möglichst lange. Gegen 09.00 Uhr kann ich los, vorher ist es zu dunkel.
Der 1/8 l Cognac stand mit € 1,-- (ein €) auf der Rechnung.
Die grossen Fischerboote sind alle gepflegt. Es wird offensichtlich gutes Geld verdient, habe noch nie so ge-pflegte Gebrauchsboote gesehen.
Keinen Pilger getroffen, der nicht Tagebuch geführt hat. Auch ich, obwohl ich wirklich kein Tagebuchfan bin. Irgendwie ist diese Reise anders als alle anderen. Gereist bin ich genug, um dies beurteilen zu können.
Wenn es eben geht, möchte ich diese Reise wiederholen.
Gerade mit Elimarchen telefoniert, mit seiner Diplomarbeit ist noch alles unklar. Hätte wohl einen grösseren Stein zum Cruz de Ferro mitnehmen sollen. Schade, deprimiert mich merklich.
Mittwoch, 05. Oktober 2005
Muros – Santiago de Compostela, 67 km (32)
Pension
35. Tag
Bis um 08.00 Uhr geschlafen. 14 Grad um 09.00 Uhr. Es ist Sperrmülltag. S c h w e r e n Herzens fahre ich vorbei.
Überall wird Mais getrocknet, teilweise in schönen Granitspeichern, die auf hohen Säulen stehen. Was wird damit gekocht? In keinem Lokal ein Maisgericht gefunden. 14.00 Uhr 35 Grad. Schiebe eine lange Steigung hoch, Länge fast 8 km.
In einer Bucht sind hunderte Fischerboote auf dem Wasser. Keines fischt. Man sieht lange Stangen mit daran befestigten Körben, bislang noch nicht gesehen. Es ertönt ein Signal und alle Fischer tauchen die Stangen mit den Körben ins Wasser und kratzen den Grund auf. Es wird nach kleinen Muschen gesucht, die so ähnlich wie Vongole aussehen.
Ich schaue mir das Schauspiel und den Hafen an. Nach einer Weile ertönt wieder ein Signal und alle Fischer hören auf zu ernten und tuckern an Land. Die Körbe werden an Land gebracht und von dort sofort in die Fischhalle. In einer grossen Sortiermaschine werden die Muscheln gewaschen und sortiert. Anschliessend erhält jeder Muschelfischer eine Quittung über die angelieferte Menge.
Es sind noch ca. 20 km bis Santiago. Zum Glück ging es gerade ein Stück bergab. 15.30 Uhr, ich esse eine Tortilla. Man sieht häufig Schilder: Hunde verboten, so auch in diesem Lokal. 45,2 Grad in der Sonne, schätze bis 19.00 Uhr in Santiago zu sein. Der Rest der Strecke wird noch haarig, da steile Hügel.
Seit der Tacho defekt ist, bremse ich nicht mehr bei ca. 55 km. Rad liegt wie ein Brett, trotz des Gepäcks. Vermutlich bin ich ohne Tacho schneller bergab als mit Tacho.
Um 17.00 Uhr 30 Grad.
An der Einfahrtsstrasse nach Santiago de Compostela fährt man durch ein Neubauviertel mit vielen gewagten modernen Gebäuden. Ja, die moderne spanische Architektur ist beeindruckend. Teils schön und nachvoll-ziehbar, teils fragt man sich, was dieser Architekt sich dabei gedacht haben mag.
In Santiago bin ich wieder in meiner alten Pension. War wieder im Pilgerrestaurant „Casa Manolo“ essen. € 10,00 inklusive einer Flasche Wein. Bekam den gleichen Tisch zugewiesen, an dem ich am Samstag mit Louis gegessen habe, muss oft an ihn denken.
Endlich eine Kneipe mit richtigen Tapas gefunden.
Das Rad steht übernacht wieder im Zimmer.
Morgen werde ich das Rad abgeben. Die Radreise ist beendet. Pannenfrei dank Gilles Berthoud, Schwalbe und last but not least sorgfältiger Vorbereitung. Hatte mein Rad reparieren, bzw. überprüfen lassen und manches selbst erledigt. Der Rest ist Glück, aber zu einer Pilgerreise passen keine grösseren Pannen.
Bin dankbar für die Qualitätsarbeit von Gilles Berthoud. Er versteht wirklich sein Handwerk.
Einige Koga Migata Räder gesehen, aber kein Rad, das mit der „Petite Reine“ von Gilles Berthoud vergleichbar gewesen wäre.
Auch die handgefertigten Packtaschen von Gilles Berthoud haben sich gut bewährt.
Es gibt sicherlich extremere Touren in Europa, aber das war schon ein wenig, zumindest für mich.
Donnerstag, 05. Oktober 2005
Santiago
Pension
36. Tag
Mein Rad abgegeben. Nach 35 Tagen täglicher Nutzung fehlt es mir. Von 2 - 5 fest geschlafen.
Am Vormittag in eine andere Pension gewechselt. Garantiert lärmfrei, für € 15,00. Nette alte Leute, sauber. Auf dem Markt gewesen. Weintrauben, Feigen gekauft sowie eine FAZ von gestern ergattert, in einem netten kleinen Lokal Fisch gegessen.
Hose bei Zara gekauft, wird bis morgen geändert, gute Bedienung, ging RUCK-ZUCK, genau was ich in einem Modegeschäft brauche.
Werde zur Post gehen und ein wenig bummeln. Um 20.30 Uhr „Casa Manolo“.
Trinke ein Bier im „Dakar“, hier muss und kommt jeder vorbei. Deutlich weniger Touristen als an den anderen Tagen. Erstaunlich welche, schweren Schuhe sich manche Pilger antun, man hört das polternde Gewicht beim Laufen.
Freitag, 07. Oktober 2005
Santiago
37. Tag
Pension gewechselt, war zu laut und zu wenig erholsam und meine Dankbarkeitspflicht war meiner Meinung nach erfüllt.
Fauler Tag, Markt, wie immer in Santiago, „Casa Manolo“, Siesta, Hotel gebucht. www.hostelworld.com. Kleines Hotel in Madrid in der Nähe des Plaza Mayor gefunden.
Beim Abendessen Gisbert Wild aus Dormagen getroffen. Er ist zu Fuss gepilgert und eine tolle Quelle an guten und vor allem ausprobierten Tipps. Habe alle notiert, soweit ich mich an sie erinnern konnte.
Samstag, 08.10.2005
Santiago
38. Tag
Markt, Internetcafé, im Cafe morgens um 11.00 Uhr eingeschlafen, 2 x „Casa Manolo“, Siesta.
Sonntag, 09. Oktober 2005
Santiago – Madrid
39. Tag
Mit dem Alsa Bus nach Madrid gefahren. Die Busfahrt kostet € 5,00 weniger als das Flugticket, bei rechtzeitiger Internetbuchung, wollte mit dem Bus fahren um mehr zu sehen, Zeit habe ich.
In Spanien gibt es ein gutes Fernreisebusnetz. Der Bus ist kaum besetzt. Habe zwei Plätze für mich. Die Fahrt dauert von 10.00 bis 19.30 Uhr.
Der Bus fährt teilweise die gleichen Strecken, die ich mit dem Rad gefahren bin. Interessant, diese aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Die Grösse Spaniens und die Weite der Landschaften ist beeindruckend. Stundenlang geht es durch diese grandiosen Landschaften.
Mit dem ersten Hotel hat es nicht geklappt, musste ca. 1 km laufen, um ins Ausweichhotel zu kommen. Gutes Zimmer, Klimaanlage, Duschbad, ruhig zum Hof gelegen, 75 m vom Plaza Major.
In einer Nebenstrasse des Plaza Majors eine „Frittenbude“ gefunden, die sich auf Tapas und Meeresfrüchte spezialisiert hat. Man muss im Stehen essen, ausgezeichnet, zu erträglichen Preisen. Gute ehrliche Portionen, alles super frisch, direkt im Lokal zubereitet.
Irgendwie haben mich die Mondpreise der Restaurants auf dem Plaza Major dieses Mal abgestossen, obwohl ich sie in der Vergangenheit mehrmals akzeptiert habe.
Runde um den Plaza Major gemacht, zurück ins Hotel. Im Fernsehen gab es nur Super RTL, also Fernseher aus.
Montag, 10. Okober 2005
Madrid
Rückflug
40. Tag
Vormittags in der Stadt ein wenig gebummelt, als ich gegen 13.00 Uhr auf einer Parkbank einschlief, habe ich mich entschlossen, sofort zum Flughafen zu fahren. Ging mit der U-Bahn gut, schnell und preiswert. Ich hatte ja nur eine, allerdings schwere Tasche mit.
Was wurde unterwegs gekauft:
1 Gabel, 1 grosser Löffel, 1 Isomatte, 1 Satz Maulschlüssel, Trinkflasche mit Halterung, Radhose.
Was hat sich nicht bewährt:
Schlecht trocknende Kleidung, Faelraeven, Gonso, Odlo.
Alle Funktionskleidung und Wäsche.
Leichtluftmatratze, zu dünn, kurz, schwierig aufzublasen, schwer und schlecht zu entleeren.
Fleece Schlafsack, gut – nimmt zuviel Platz weg.
Fleece Trainingsanzug, gut – nimmt zuviel Platz weg.
Odlo Unterhose, Nähte gehen auf, Laufmaschen.
Gonso Trikot, der verdeckte Reissverschluss lässt sich im Fahren nicht öffnen, als Radsportbekleidung ungeeignet.
Was habe ich zu früh nach Deutschland geschickt:
Biwaksack, hätte ich vermutlich nicht gebraucht, wäre aber beruhigend gewesen.
Was ist zu überlegen:
Zelt, die Abhängigkeit von Übernachtungsmöglichkeiten war teilweise gross, sie bestimmte die Länge der Etappen, wenn man nicht auf teure Hotels angewiesen sein möchte, mit Zelt hätte ich teilweise komfortabler reisen können.
Kleiner Weltempfänger.
Leichtere Fahrradschuhe.
Rückspiegel für Rennradlenkerenden.
Bessere Unterwäsche.
Zwei 1-Literflaschen für das Rad.
Leichte Ausgehschuhe.
Genereller Verzicht auf Fahrradkleidung.
Kochgeschirr.
Was hat sich gut bewährt:
Handgefertigtes Massrad und Gepäcktaschen von Gilles Berthoud, Pont de Veaux, Frankreich, nicht ein einziges Mal Rückenschmerzen oder Sitzprobleme gehabt, obwohl mein Rücken nicht problemfrei ist.
Brooks Leder Sattel.
Rennradlenker.
Low-Rider.
Magura Hydraulikbremsen.
Rohloffkette.
Marathon Billboard Reflex, Item 19 SV Schläuche, zweites Felgenband.
Abus Granit- und drei zusätzliche Drahtseilschlösser.
Ständig mit Drahtseilschloss gesicherter Sattel.
Einlegesohlen aus naturgegerbtem Leder – ersparen die Socken in den Fahrradschuhen, angenehm bei Hitze.
Radsporthose von Go Sport.
Geldgürtel.
Camelbak Trinkrucksack.
Vitamintabletten.
Magnesiumtabletten.
Wasser mit Zitronenkonzentrat.
Armbanduhr mit grossen Leuchtziffern.
Fanta, der Zuckeranteil ist gut, schmeckt auch warm.
35 mm Filme machen und nach Hause schicken, so konnte die Familie ein wenig teilhaben.
Empfehlungen:
B e s s e r e K o n d i t i o n .
Wenn man mehr von dieser Reise haben möchte, muss man I N T E N S I V E R vorher trainieren.
Die Strecke Tour bis zu den Pyrenäen (ca. 700 km) hat nicht ausgereicht. Mehrmals direkt hintereinander lange Tagesetappen trainieren. Z.B. 7 x 140 km, mit je einem Tag Pause dazwischen.
Die Strecke ist ein wenig anstrengend, aber durchaus, von jedem Radler zu schaffen.
Wäsche auf Trocknungszeit testen. Wäsche auswringen und sie muss nach ca. 6 – 8 Stunden fast trocken sein. Nicht im Handtuch auswringen, sonst hat man kein trockenes Handtuch mehr. Funktionskleidung ist ja gut, aber sie muss a u c h trocknen.
Schweres Gepäck auf die Low-Rider, leichtes nach hinten, wenn überhaupt. Kein Gewicht auf dem Gepäckträger oben befestigen. Isomatte Ok. Insbesondere bergauf merkt man den Unterschied.
Werkzeug darauf überprüfen, welches Schrauben das Rad hat und gezielt einpacken. Wirklich jedes Gramm zählt.
Reifen- Schlauchpannen: Keine.
Andere Pannen:
Fahrradständer.
Halter für 1,5 Liter.
Schutzblechprobleme.
Vorderer Umwerfer musste neu eingestellt werden.
Sigma Fahrrad Computer.
TCM Fahrrad Computer.
Reiseführer:
Le Chemin de Tours vers Saint-Jacques-de Compostelle, Rando Edition, 2001
Für Wanderer gemacht, aber durchaus brauchbar, natürlich auch veraltet, muss für Radler mit Michelinkarten ergänzt werden, gut lesbar, wenn man die französische Sprache spricht.
Miam – miam – dodo, Christian Champion, für Fusspilger geschrieben, aber sehr informativ guten Übernachtungsteil.
Schon in 2005 veraltet. Ohne Michelinkarten nicht zu verwenden, teilweise für Radler ungünstige Wegführung. Auch andere Radler, die ich unterwegs getroffen habe, waren von diesem Führer enttäuscht.
Spanien per Rad, Andreas Drouve, Verlag Wolfgang Kettler, 1997 veraltet, was normal bei diesem Alter ist, nicht genau was die Schwierigkeit der jeweiligen Etappen angeht. In diesem Punkt mit grosser Vorsicht zu ge-niessen. Gut zu lesen.
Michelinkarten, Radführer und gesunder Radlerverstand ergaben ein gutes Ergebnis.


